Verdeckte Probe und Rebsorten-Ratespiel im Weinbaumuseum
Einmal im Jahr gibt es bei den GenussSpechten die Masterclass Weinprobe im Weinbaumuseum. Das Besondere hieran ist: Maximal 15 Teilnehmende, für eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre (theoretisch J), und die Weine werden verdeckt ausgeschenkt, in vier „Flights“ à drei Weinen gleichzeitig. Ein wenig wie bei den Weinproben beim Volksbildungswerk von Arthur Fuchs, auf anspruchsvollerem Niveau. Arthur Fuchs ist auch bei den Masterclassproben derjenige, der die Weine auswählt und die Weinproben leitet – ohne Themenvorgabe seitens des Vorstands.
Da es im letzten Jahr eine Tour de France in Weiß gab (die HZ berichtete), waren nun Rotweine an der Reihe, genauer gesagt deutsche Spitzenerzeugnisse, alle trocken.
Wasser. Brot und Käsewürfel dienten der Neutralisierung des Gaumens zwischen den Weinen.
Außerdem brachte Probenteilnehmerin Irina, passend zu Rotweinen, ihre beliebte „Schokoladen-Salami“ mit, die im Laufe des Abends für herrliche Genussmomente sorgte.
Nach einer kurzen Begrüßung der Anwesenden durch Hendrik Ruitenberg startete die Verkostung mit einem ersten Flight von drei Weinen. Zunächst gab Arthur nur die sog. Expertise der Weine bekannt – also Alkohol, Säure und Restzucker sowie Jahrgang und die Teilnehmenden durften die Rebsorten erraten. Bei zwei Spätburgundern und einem Frühburgunder war das nicht schwer und viele erkannten den Frühburgunder korrekt im zweiten Wein.
Arthur gab den Teilnehmenden interessante Informationen zur Rebsorte Spätburgunder. Das ist eine hochwertige, sehr alte Rebsorte, die weltweit angebaut wird. Die Abstammung ist nicht letztgültig erklärt, sie könnte aus direkter Linie von den Wildreben abstammen. Sie ist die Urform der Burgunderreben, die anderen sind hieraus durch Mutation entstanden. Im Rheingau ist sie die meistangebaute rote Rebe.
Beim nächsten Flight war schnell klar, dass auch andere Rebsorten ins Spiel kamen. Der erste Wein war ein weiterer Spätburgunder, aber bei Nr. 4 und 5 kamen Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ins Spiel. Letzterer wird seltener solo angeboten und beide sind aus den Bordeauxweinen bekannt (zusammen mit Merlot). Merlot wollten einige herausgeschmeckt haben, viele errieten jedoch den Cabernet richtig.
Cabernet Franc wird gerne als „kleiner Bruder“ des Cabernet Sauvignon bezeichnet – dabei ist er ein Elternteil. Cabernet Sauvignon ist eine Kreuzung von Cabernet Franc mit Sauvignon Blanc. Ja, aus rot mal weiß wird rot.
Wie bei Weinproben mit Arthur Fuchs üblich, durften nun die Teilnehmenden reihum ihre Sinneseindrücke berichten und Favoriten benennen. Die Stimmenverteilung war zu diesem Zeitpunkt noch recht ausgeglichen und erst danach wurden von den ersten beiden Flights die Hussen entfernt.
Das erste Flight bestand aus einem Ingelheimer Pares Doppelstück-Spätburgunder vom Weingut Wasem, einem Ingelheimer Schlossberg Frühburgunder von Bettenheimer (beide Rheinhessen), und einem Sankt Andreasberg Spätburgunder Alte Reben vom Weingut Schloss Ortenberg, Baden.
Das zweite Trio setzte sich zusammen aus einem Corbet Spätburgunder R, Weingut Corbet, Diedesfeld (Pfalz), dem 2019 Divinus Cabernet Sauvignon vom Wein Konvent Dürrenzimmern und dem 2020 Divinus Cabernet Franc vom gleichen Weingut, aus Württemberg.
Hier punktete bei einigen der Spätburgunder, während andere von den Cabernets begeistert waren. Geschmäcker sind zum Glück verschieden und individuell.
Flight drei brachte die ersten „Mouthbombs“ mit Schoko-, Kaffée und Röstnoten ins Glas. Das klang nach längeren Barriqueausbau.
Der erste Wein war ein weiterer Cabernet Sauvignon, bei Wein 8 und 9 wurde bald jede Rebsorte hereingerufen – der Hinweis auf zwei Namen für diese Rebsorte führte bei einer Teilnehmerin zur korrekten Diagnose: Lemberger, in Österreich als Blaufränkisch bekannt. Wobei auch manche deutschen Winzerinnen und Winzer lieber diese Bezeichnung nutzen.
Lemberger / Blaufränkisch ist eine natürliche Kreuzung aus Blauer Zimmettraube mal Weißem Heunisch. Er liebt mildes Klima und windgeschützte Standorte und ist gekennzeichnet durch einen frühen Austrieb und eine späte Reife. Mit dem Lesezeitpunkt kann man bestimmen, ob man eher leichte, fruchtige Weine oder schwere, tanninreiche Weine erhält, die für einen Barriqueausbau geeignet sind.
Im vierten Flight, traditionell das hochpreisigste, kam eine weitere Rebsorte ins Spiel: der Syrah (international Shiraz bezeichnet), auch hier errieten einige die Rebsorte, und zwei weitere Spätburgunder.
Syrah ist wahrscheinlich im Rhônetal entstanden und ist ein Urenkel von Pinot Noir und darüber hinaus mit der Rebsorte Lagrein verwandt. Er wird weltweit angebaut, auch in der sog. „Neuen Welt“, also Südafrika, Argentinien, Chile, Australien, Neuseeland.
Bei der anschließenden Besprechung der beiden Flights zeigte es sich, dass einer der Weine polarisierte – eigentlich gefiel er nur zwei Personen. Ob es am Alter lag, er hätte durchaus noch liegen können, oder ob die Flasche nicht ganz korrekt gelagert war, man weiß es nicht. Hier wird nicht verraten, welcher es war.
Flight 3 bestand aus einem 2020 Weinfactum Cabernet Sauvignon, Weinfactum Bad Cannstadt, einem Weinfactum Lemberger, Reserve, gleiche Adresse (Württemberg) und einem Laumersheim Blaufränkisch von Philipp Kuhn, Laumersheim (Pfalz).
In Flight 4 genossen die Teilnehmenden einen 2018 Syrah vom Weingut Knipser, Laumersheim (Pfalz), einen 2020 Kallstadter Steinacker, Spätburgunder Erste Lage, Weingut Rings, Freinsheim (Pfalz) und einen 2019 Siebeldingen im Sonnenschein, Spätburgunder Großes Gewächs 13°, Hans Jörg Rebholz, Siebeldingen, Pfalz.
Nun wäre eigentlich die Probe zu Ende gewesen. Sie erinnern sich an das Wort „theoretisch“ bezüglich der Anzahl der Teilnehmenden am Anfang dieses Artikels. Es waren ein paar mehr, so dass man mit den 4 cl Dosierern gearbeitet hatte, statt mit den 5 cl Dosierern – was man indes kaum merkt. Als Ausgleich hatte Hendrik Ruitenberg ein wenig aufgeräumt im Keller und drei allzeit beliebte Kellerfunde mitgebracht. Selbstverständlich wurden auch diese verdeckt ausgeschenkt und besprochen.
Es waren ein 2018 Spätburgunder Rosenthal Großes Gewächs von Adeneuer (Ahr), ein 2012 Cuvée X vom Weingut Knipser, Pfalz (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot) – ein Highlight, genau das richtige Alter und ein viel zu früh geöffneter 2022 Walporzheimer Gärkammer Großes Gewächs von Adeneuer, letztes Jahr erworben, aber Ruitenberg war neugierig.
Ganz zum Schluss erst wurden die Preise der Weine verraten – man bewegte sich heute zwischen € 14,50 und immerhin € 76,99 und auch das ist die Idee hinter den Masterclass-Proben: Dass man sich in Preislagen bewegt, die man nicht mal eben zu zweit auf der Terrasse genießt und eine besondere Flasche mit Gleichgesinnten zu teilen, macht immer großen Spaß.
Zum Schluss gab es Applaus von den Teilnehmenden und manche Weine wurden noch einmal nachprobiert. Ruitenberg verteilte Weingeschenke an zwei Teilnehmerinnen, die in dieser Woche Geburtstag gehabt hatten und dankte Arthur Fuchs mit einer Flasche Spätburgunder vom Weingut Baison, einem seiner Lieblingsweine.
In bewährter Manier halfen alle beim Aufräumen mit – ehe der harte Kern dafür sorgte, dass alle Flaschen ohne Reste ins Altglas entsorgt werden können.
(Bilder folgen in kürze)