Masterclass – Deutsche Spitzen-Rotweine bei den GenussSpechten

Verdeckte Probe und Rebsorten-Ratespiel im Weinbaumuseum

Einmal im Jahr gibt es bei den GenussSpechten die Masterclass Weinprobe im Weinbaumuseum. Das Besondere hieran ist: Maximal 15 Teilnehmende, für eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre (theoretisch J), und die Weine werden verdeckt ausgeschenkt, in vier „Flights“ à drei Weinen gleichzeitig. Ein wenig wie bei den Weinproben beim Volksbildungswerk von Arthur Fuchs, auf anspruchsvollerem Niveau. Arthur Fuchs ist auch bei den Masterclassproben derjenige, der die Weine auswählt und die Weinproben leitet – ohne Themenvorgabe seitens des Vorstands.

Da es im letzten Jahr eine Tour de France in Weiß gab (die HZ berichtete), waren nun Rotweine an der Reihe, genauer gesagt deutsche Spitzenerzeugnisse, alle trocken.

Wasser. Brot und Käsewürfel dienten der Neutralisierung des Gaumens zwischen den Weinen.

Außerdem brachte Probenteilnehmerin Irina, passend zu Rotweinen, ihre beliebte „Schokoladen-Salami“ mit, die im Laufe des Abends für herrliche Genussmomente sorgte.

Nach einer kurzen Begrüßung der Anwesenden durch Hendrik Ruitenberg startete die Verkostung mit einem ersten Flight von drei Weinen. Zunächst gab Arthur nur die sog. Expertise der Weine bekannt – also Alkohol, Säure und Restzucker sowie Jahrgang und die Teilnehmenden durften die Rebsorten erraten. Bei zwei Spätburgundern und einem Frühburgunder war das nicht schwer und viele erkannten den Frühburgunder korrekt im zweiten Wein.

Arthur gab den Teilnehmenden interessante Informationen zur Rebsorte Spätburgunder. Das ist eine hochwertige, sehr alte Rebsorte, die weltweit angebaut wird. Die Abstammung ist nicht letztgültig erklärt, sie könnte aus direkter Linie von den Wildreben abstammen. Sie ist die Urform der Burgunderreben, die anderen sind hieraus durch Mutation entstanden. Im Rheingau ist sie die meistangebaute rote Rebe.

Beim nächsten Flight war schnell klar, dass auch andere Rebsorten ins Spiel kamen. Der erste Wein war ein weiterer Spätburgunder, aber bei Nr. 4 und 5 kamen Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc ins Spiel. Letzterer wird seltener solo angeboten und beide sind aus den Bordeauxweinen bekannt (zusammen mit Merlot). Merlot wollten einige herausgeschmeckt haben, viele errieten jedoch den Cabernet richtig.

Cabernet Franc wird gerne als „kleiner Bruder“ des Cabernet Sauvignon bezeichnet – dabei ist er ein Elternteil. Cabernet Sauvignon ist eine Kreuzung von Cabernet Franc mit Sauvignon Blanc. Ja, aus rot mal weiß wird rot.

Wie bei Weinproben mit Arthur Fuchs üblich, durften nun die Teilnehmenden reihum ihre Sinneseindrücke berichten und Favoriten benennen. Die Stimmenverteilung war zu diesem Zeitpunkt noch recht ausgeglichen und erst danach wurden von den ersten beiden Flights die Hussen entfernt.

Das erste Flight bestand aus einem Ingelheimer Pares Doppelstück-Spätburgunder vom Weingut Wasem, einem Ingelheimer Schlossberg Frühburgunder von Bettenheimer (beide Rheinhessen), und einem Sankt Andreasberg Spätburgunder Alte Reben vom Weingut Schloss Ortenberg, Baden.

Das zweite Trio setzte sich zusammen aus einem Corbet Spätburgunder R, Weingut Corbet, Diedesfeld (Pfalz), dem 2019 Divinus Cabernet Sauvignon vom Wein Konvent Dürrenzimmern und dem 2020 Divinus Cabernet Franc vom gleichen Weingut, aus Württemberg.

Hier punktete bei einigen der Spätburgunder, während andere von den Cabernets begeistert waren. Geschmäcker sind zum Glück verschieden und individuell.

Flight drei brachte die ersten „Mouthbombs“ mit Schoko-, Kaffée und Röstnoten ins Glas. Das klang nach längeren Barriqueausbau.

Der erste Wein war ein weiterer Cabernet Sauvignon, bei Wein 8 und 9 wurde bald jede Rebsorte hereingerufen – der Hinweis auf zwei Namen für diese Rebsorte führte bei einer Teilnehmerin zur korrekten Diagnose: Lemberger, in Österreich als Blaufränkisch bekannt. Wobei auch manche deutschen Winzerinnen und Winzer lieber diese Bezeichnung nutzen.

Lemberger / Blaufränkisch ist eine natürliche Kreuzung aus Blauer Zimmettraube mal Weißem Heunisch. Er liebt mildes Klima und windgeschützte Standorte und ist gekennzeichnet durch einen frühen Austrieb und eine späte Reife. Mit dem Lesezeitpunkt kann man bestimmen, ob man eher leichte, fruchtige Weine oder schwere, tanninreiche Weine erhält, die für einen Barriqueausbau geeignet sind.

Im vierten Flight, traditionell das hochpreisigste, kam eine weitere Rebsorte ins Spiel: der Syrah (international Shiraz bezeichnet), auch hier errieten einige die Rebsorte, und zwei weitere Spätburgunder.

Syrah ist wahrscheinlich im Rhônetal entstanden und ist ein Urenkel von Pinot Noir und darüber hinaus mit der Rebsorte Lagrein verwandt. Er wird weltweit angebaut, auch in der sog. „Neuen Welt“, also Südafrika, Argentinien, Chile, Australien, Neuseeland.

Bei der anschließenden Besprechung der beiden Flights zeigte es sich, dass einer der Weine polarisierte – eigentlich gefiel er nur zwei Personen. Ob es am Alter lag, er hätte durchaus noch liegen können, oder ob die Flasche nicht ganz korrekt gelagert war, man weiß es nicht. Hier wird nicht verraten, welcher es war.

Flight 3 bestand aus einem 2020 Weinfactum Cabernet Sauvignon, Weinfactum Bad Cannstadt, einem Weinfactum Lemberger, Reserve, gleiche Adresse (Württemberg) und einem Laumersheim Blaufränkisch von Philipp Kuhn, Laumersheim (Pfalz).

In Flight 4 genossen die Teilnehmenden einen 2018 Syrah vom Weingut Knipser, Laumersheim (Pfalz), einen 2020 Kallstadter Steinacker, Spätburgunder Erste Lage, Weingut Rings, Freinsheim (Pfalz) und einen 2019 Siebeldingen im Sonnenschein, Spätburgunder Großes Gewächs 13°, Hans Jörg Rebholz, Siebeldingen, Pfalz.

Nun wäre eigentlich die Probe zu Ende gewesen. Sie erinnern sich an das Wort „theoretisch“ bezüglich der Anzahl der Teilnehmenden am Anfang dieses Artikels. Es waren ein paar mehr, so dass man mit den 4 cl Dosierern gearbeitet hatte, statt mit den 5 cl Dosierern – was man indes kaum merkt. Als Ausgleich hatte Hendrik Ruitenberg ein wenig aufgeräumt im Keller und drei allzeit beliebte Kellerfunde mitgebracht. Selbstverständlich wurden auch diese verdeckt ausgeschenkt und besprochen.

Es waren ein 2018 Spätburgunder Rosenthal Großes Gewächs von Adeneuer (Ahr), ein 2012 Cuvée X vom Weingut Knipser, Pfalz (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot) – ein Highlight, genau das richtige Alter und ein viel zu früh geöffneter 2022 Walporzheimer Gärkammer Großes Gewächs von Adeneuer, letztes Jahr erworben, aber Ruitenberg war neugierig.

Ganz zum Schluss erst wurden die Preise der Weine verraten – man bewegte sich heute zwischen € 14,50 und immerhin € 76,99 und auch das ist die Idee hinter den Masterclass-Proben: Dass man sich in Preislagen bewegt, die man nicht mal eben zu zweit auf der Terrasse genießt und eine besondere Flasche mit Gleichgesinnten zu teilen, macht immer großen Spaß.

Zum Schluss gab es Applaus von den Teilnehmenden und manche Weine wurden noch einmal nachprobiert. Ruitenberg verteilte Weingeschenke an zwei Teilnehmerinnen, die in dieser Woche Geburtstag gehabt hatten und dankte Arthur Fuchs mit einer Flasche Spätburgunder vom Weingut Baison, einem seiner Lieblingsweine.

In bewährter Manier halfen alle beim Aufräumen mit – ehe der harte Kern dafür sorgte, dass alle Flaschen ohne Reste ins Altglas entsorgt werden können.

(Bilder folgen in kürze)

Weine aus 26 Jahren – Raritätenprobe von und mit Weingut Baison

Die Jahreshauptversammlung haben wir gerade vor einer Woche erfolgreich über die Bühne gebracht, da läuten wir sofort das neue Weinjahr ein.

Fast vor einem Jahr, im März 2025, durften wir eine besonders gelungene Weinprobe im Weingut Baison erleben. Es gab einen leckeren Vesperteller, tolle Weine, viel Gute Laune, und eine Kellerführung. Der verwinkelte Keller war spannend und viel größer, als man von außen denken würde. Besonderes Highlight: wir durften aus dem Regal ein paar gereifte Flaschen aussuchen, die anschließend mit dem Korkenzieher Bekanntschaft machten und gleich genossen wurden.

Nadja und Heinrich hatten großen Spaß mit unserer Glocke, wenn wir zu laut wurden – ziemlich oft im Probenverlauf. Am Ende sangen wir laut und fröhlich alle zusammen das Hochheimer Lied.

Heinrich sprach uns dann ein paar Wochen später an mit einer Idee für eine neue Weinprobe (wir können also nicht einen allzu schlechten Eindruck hinterlassen haben J):

Eine „Rückstellproben-Probe“ – so lautete der Arbeitstitel.

Rückstellproben sind die zwei Flaschen Wein, die zwei Jahre lang aufbewahrt werden müssen, sobald ein Wein eine AP-Nummer hat und in den Verkauf geht. Es ergibt von selbst, dass sich im Lauf der Zeit einiges ansammelt. Die kann der Winzer dann irgendwann im stillen Kämmerlein austrinken. Oder aber mit weininteressierten Personen teilen. Zum Glück für uns, wählten Nadja und Heinrich diese zweite Option.

Am Samstag, dem 28. Februar kamen wir im Weinbaumuseum zusammen. Brot, Wasser, Spundekäs und Brezelchen standen bereit, wir waren gespannt, und da es keine Liste gab, konnte man auch nicht „lubschen“, was zu verkosten käme.

Heinrich und Nadja hatten wahre Schätze ausgegraben.

Neben den schon angesprochenen Rückstellproben gab es diverse Weine und Sekte älterer Jahrgänge, auch ein Ruitnberg’scher Kellerfund gesellte sich hinzu. Manche Flaschen hatten ein einfaches Etikett, nur mit den Angaben, dazu noch das Originalsiegel nach der Vergabe der AP-Nummer, andere trugen das gewohnte Logo.

Nadja und Heinrich hatten umfangreiche Notizen mitgebracht über jeden Weinjahrgang, die klimatischen Besonderheiten, die Lesezeitpunkte, die halfen, die Probe einzuordnen und sich an das betreffende Jahr zu erinnern. Die Werte, die von nerdigeren unter uns so gerne mitgeschrieben werden, lagen nicht mehr vor. Aber die Zucker- und Säurewerte verändern sich ohnehin bei Reifung und sind dann weniger interessant.

Das Ausschenken besorgte Nadja und Hendrik abwechselnd, mit unseren Dosierern, außer beim Sekt.

Die genaue Probenfolge war (Anmerkung: Die Verkostungsnotizen sind von Susanne und daher subjektiv):

1. 2001 Hochheimer Herrnberg Sekt Riesling Brut
Ein sehr guter Jahrgang für Spät- und Auslesen. Der Sekt hatte eine pink-orange Farbe, und noch Druck genug, dass der Korken herausploppte. Auch eine dezente Perlage war noch vorhanden, dazu reife, aber ansprechende Geschmacksnoten.

2. 2012 Rheingau Riesling Brut – 12,5% Vol.
Ein normales Weinjahr ohne besondere Wettervorkommnisse (außer einem sehr kalten Februar). Der Sekt ist erstaunlich frisch für 14 Jahre, hat eine angenehme Perlage.

3. 2009 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken – 13,5% Vol.
Ein Top Jahrgang (2009 war auch in Bordeaux ein Top Jahrgang, wahrscheinlich sogar weltweit). Der Wein hat damals eine Goldene Preismünze erhalten. Man schmeckt die typische Höllenaromatik und viele reife gelbe Früchte.

4. 2012 Hochheimer Herrnberg Riesling Spätlese Alte Rebe trocken
Alte Rebe bedeutet, dass die Ertragsreduktion von alleine stattfindet. Diese Weine sind, wenn sie jung sind, immer etwas unzugänglich. Aber wenn man die Muße hat, zu warten, werden sie komplex und interessant.

5. 2012 Baison Junior Riesling Spätlese trocken – 12,5% Vol
Handlese aus Hölle und Kirchenstück, 12,5 %. Dieser Wein firmiert jetzt als „Handlese“. Junior ist nicht mehr Junior, sondern selber Chef J. Auch diesem Wein kommt die Wartezeit gelegen, er reift sehr gut. Vol.

6. 2015 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken, Alte Reben, gereift im großen Holzfass – 14,5%
Ein „Wow“ Wein. 2015 war ein bombastisches Weinjahr mit gesunden, vollreifen Trauben. Jede und jeder von uns hat noch Erinnerungen an tolle Weine aus diesem Jahr.

7. 2016 Flörsheimer Herrnberg Riesling Kabinett trocken
Das war damals die Ecovin-Phase, die aber wieder aufgegeben wurde. Wenn man konventionell arbeitet, kann man im Notfall besser eingreifen, sagt Heinrich. Es wird so wenig wie möglich gespritzt und keine Herbizide, nur Pflanzenschutz. Ein Kabinett ist nicht unbedingt ein Wein, den man lange aufhebt. Dieser hier ist gut gealtert und lässt sich sehr gut genießen.

8. 1990 Hochheimer Hölle Riesling Auslese – 12% Vol.
Der Oldie des Abends, stolze 36 Jahre alt. Preismünzengeehrt. Reif, dicht, bernsteinfarben, ausgeprägte Kirchenfenster im Glas. Hendrik hat leider den Fehler gemacht, den Siegellack zu entfernen. Dadurch ist der Korken erst einmal in die Flasche abgetaucht, weil ihn nichts mehr gehalten hat. Der Wein wurde gesiebt und aus der Karaffe ausgeschenkt. Wahrscheinlich hätte man den Korken durch den Siegellack ziehen müssen.

9. 1999 Hochheimer Stein Gewürztraminer Spätlese – 12,5% Vol.
Der Wein ist genießbar, aber die Typizität von Gewürztraminer hat er komplett verloren. Weder der Rosenduft noch die typische Aromatik sind vorhanden. Es ist dennoch spannend zu schmecken, wie diese Typizität einfach so abtauchen kann.

10. 1997 Hochheimer Reichestal Spätlese
Ziemlich ramponiertes, kaum noch lesbares Etikett – aber der Wein ist klasse. Reichestal ist immer sehr extraktreich, diese Weine altern auch gut. Finde ich.

11. 2007 Baison Spätburgunder trocken – 13,5% Vol.
Der „Einstiegsrotwein“. Viel Depot, danach mussten wir erst einmal die Gläser spülen. Eine interessante Note von Pfeffer und Chili, den er in jungen Jahren nicht hatte. Jetzt ein Steak vom Holzkohlegrill dazu … dieser Wein gehört jedes Jahr neu in den Keller gelegt, man kann ihn immer trinken.

12. 2007 Hochheimer Hölle Spätburgunder Spätlese trocken – 14,5% Vol.
14,5%, bombastischer Rotwein, mit der Zutat Zeit, die Weine oft nicht bekommen, weil man zu ungeduldig ist. Hier zeigt er seine ganze Fülle und Dichte. Frucht und Holznote, alles in feiner Balance.

13. 2015 Hochheimer Reichestal Spätburgunder Auslese trocken – 15% Vol.
TOP TOP TOP in Großbuchstaben, das habe ich in mein Büchlein gekritzelt.
Diesen Wein haben wir dekantiert, dann aber für den Dosierer zurück in die Flasche gefüllt, der brauchte die Luft.

Der Wein war mit einer perfekten phenolischen Reife gelesen und ein absolutes Highlight. Wir erinnern uns, 2015 war dieses ganz besondere Weinjahr. Wenn man ihn in der Bourgogne verdeckt in eine vergleichende Weinprobe schummeln würde, müssten sich die Franzosen warm anziehen … ja, deutsche Rotweine, das ist nicht mehr wie früher.

Hier die gekürzte Fassung, die in der Hochheimer Zeitung abgedruckt war.

Kulinarische Weinprobe der GenussSpechte

Weine aus Tschechien

Eine schöne Tradition hat sich im Verein im dritten Jahr seines Bestehens etabliert: die kulinarische Weinprobe als Ausklang und Höhepunkt des Weinjahres.

Geselligkeit, Gemeinschaft, Genuss, und dazu Gutes Essen, das lockte auch in diesem Jahr wieder viele Genussfreunde in den evangelischen Gemeindesaal, der sich in den Landesfarben festlich dekoriert präsentierte. Die kreativen Ideen hierzu kamen von Jutta und Ingo Hühn.

Nach der Wachau in 2023 und „Wild und Wein“ in 2024 hatte der Vorstand sich in diesem Jahr für das Thema Tschechien entschieden, konkret die Gegend rund um die neue Partnerstadt Mikulov.

Für das Catering fragte man natürlich bei Kochfreund Roger Ullrich an. Und der war anfangs bezüglich der Themenwahl eher reserviert. Er habe bislang nur wenig Erfahrung mit der tschechischen Küche. Der Vorstand der GenussSpechte indes setzte vollstes Vertrauen in Rogers Kreativität.

Und wie es sich zeigte, absolut zu Recht.

Der Reihe nach: nachdem Hendrik Ruitenberg die teilnehmenden Mitglieder und Gäste begrüßt hatte, gab er zunächst Einblicke in das Weinland Tschechien, genauer das Anbaugebiet Mähren und seine Subregionen, eine davon Mikulov. Natürlich kam zur Sprache, dass Franz Künstler aus dieser Gegend stammte.

Für jeden Wein und jedes Weingut hatte Ruitenberg Steckbriefe, Fotos, Luftaufnahmen, Innenansichten, so dass man genau nachvollziehen konnte, welche Winzerfamilie hinter dem gerade genossenen Wein stand und wie und wo er gewachsen und ausgebaut war. Reisepläne kamen aus dem Publikum schon bei den ersten Fotos auf. So war es interessant, zu erfahren, dass viele Weingüter Stellplätze für Camper oder Ferienwohnungen anbieten.

Als Einstieg in die Probe kam der einzige Rotwein des Abends ins Glas, ein 2022 Frankovka (Blaufränkisch) Auslese – Reserva trocken des Familienweinguts Skoupil in Velké Bílovice. Ein weicher, tiefer Rotwein mit einer Reifezeit von 24 Monaten in Eichenfässern.

Zum ersten Weißwein, einem Hibernal Spätlese trocken, ebenfalls von Skoupil, servierte Roger mit fleißiger Unterstützung der Teilnehmenden beim Heraustragen der Teller den ersten Gang, Prager Schinken auf Curryrahmkraut, und erläuterte seine Herangehensweise an das anfangs eher mit Skepsis betrachtete Thema. Hier gibt´s die Menüfolge.

Er habe viel über die tschechische Küche recherchiert, die sehr deftig sei, und sich entschieden, die typischsten Zutaten zu nehmen und mit Leichtigkeit und etwas internationaler Finesse neu zu interpretieren. In Ergänzung kündigte er ein Überraschungshäppchen an, das nichts, aber auch gar nichts mit dem Thema zu tun habe. Die GenussSpechte waren gespannt.

Sauerkraut mit Curry zu aromatisieren, auf die Idee war noch kaum jemand gekommen im Publikum – es passte jedoch so gut zum Hibernal, einer pilzresistenten Neuzüchtung aus Riesling x Seibel, als wäre es dafür gemacht gewesen. Und dass, obwohl niemand die Weine vorher probiert hatte.

Im Anschluss folgte ein Wein aus einer landestypischen Rebsorte, dem Pálava (der schon auf der Reise nach Mikulov anlässlich der Städtepartnerschaft in 2022 viele Fans gewonnen hatte), hier ein 2024er vom Weingut Volařík in Mikulov

Der Pálava ist eine mährische Rebsorte, nach dem Naturschutzgebiet Pálava benannt und ist eine Kreuzung aus dem Roten Traminer mit Müller Thurgau.

Zum 2018 Riesling von Víno Marcinčák, Mikulov folgte das Überraschungshäppchen: salzige Cracker mit Sauerrahm und Tobikko Wasibi. Tobikko ist der japanische Name von Fliegenden Fischen und die Wasibi-Variante sieht aus wie grüner Kaviar.

Dieser kleine Ausflug kam sehr gut an.

Zum nächsten Gang, einer Pilzrahmsuppe mit Knobicroutons, kamen nacheinander ein 2023 Zímarky Pálava Spätlese, trocken von Skoupil und ein 2022 Kotelná Welschriesling Spätlese, trocken von Volařík ins Glas. Man vermutet, dass der Welschriesling ursprünglich aus Tirol seinen Weg in die Gegend gefunden hatte. Zum Glück gab es von der Suppe noch Nachschlag, sie war köstlich.

Die Pause nutzte man zur Vorstellung des Programms für das nächste Jahr.

Der nächste Gang rief einige „ahs“ und „ohs“ hervor, schon von der Optik und erst recht beim Probieren. Roger servierte ein Rote Beete Carpaccio mit Meerrettichpüree und einem Tatar von geräucherter Forelle. Im Glas gesellten sich eine Hibernal Spätlese trocken und danach eine Johanniter Auslese halbtrocken, beide von Volařík, hinzu. Der Johanniter ist ebenfalls eine „Piwi“ Sorte, also eine Neuzüchtung (Riesling x Seyve Villard x Pinot Gris x Chrupka bílá.)

Die halbtrockene Pálava Auslese vom Weingut Volařík begleitete den Hauptgang, Rindergulasch mit hausgemachten Semmelknödeln. Beim Gulasch hatte Roger den sonst üblichen Zwiebelanteil deutlich reduziert, was als Begleitung für eine Weinprobe genau richtig war. Auf den Hinweis, dass man sich in der Küche noch ein kleines On Top holen könne, gab es eine kleine Stampede, umkommen sollte schließlich nichts von den herrlichen Gerichten.

Danach wurde es süß – sowohl im Glas, als auch auf den Tellern.

Kleine Buchteln mit Pflaumenmusfüllung an Vanillesahne und dazu einen Purmice Pálava Auslese süß von Volařík und einen Roten Traminer Auslese RESERVA süß von Skoupil. Diese Weine kleideten den Gaumen aus, nahmen die Süße des Desserts wunderbar auf und natürlich gab es am Ende donnernden Applaus für Roger und Kerstin, die ihm den ganzen Tag schon in der Küche zur Hand gegangen war, sowie je eine Flasche Wein, keine Hochheimer Blumen, sondern aus Mikulov.

Als kleine Entschädigung für die schwierige Themenwahl hatte der Vorstand im Vorfeld die Idee entwickelt, dass Roger sich in 2026 zunächst die Speisen ausdenkt, man danach die passenden Weine aussuchen werde.

Zwischen den vorgeschlagenen Schwerpunkten Spanien oder rund um das Mittelmeer inklusive Levante zeichnete sich ein Konsens für Spanien ab. Man darf gespannt sein. Olé!

Viele helfende Hände packten am Ende beim Aufräumen mit an, bevor sich alle gut gelaunt auf den Heimweg begaben.

Wie üblich wurde Susannes Artikel auch in der Hochheimer Zeitung veröffentlicht. Hier der entsprechende Link.

Gelehriger Genuss im Weinbaumuseum

GenussSpechte erkunden Weine von wurzelechten Reben

Das Thema wurzelechte Reben beschäftigte Vorstand Hendrik Ruitenberg schon länger. Am 11. Oktober gestaltete er für den Verein eine Probe zu diesem Thema.
Was sind wurzelechte Reben?
Das sind Rebstöcke, bei denen – wie zu Zeiten, als die Römer den Weinbau in ganz Europa verbreiteten – der Wurzelstock und der fruchttragende Teil aus derselben Pflanze bestehen.
Bis ins 19. Jahrhundert waren sie in Europa die Norm.
Doch dann passierte eine Katastrophe: Durch den Import von Reben aus Amerika kam ein blinder Passagier mit – die Reblaus.
Die amerikanischen Wildreben werden zwar auch befallen – die Pflanzen sterben jedoch nicht ab.
In Europa verwüstete die Reblaus nahezu alle Anbauflächen. Man kann sagen, sie waren eines der ersten Globalisierungsopfer.
Die Rettung schließlich war das Pfropfen, eine Veredelungstechnik, die bereits in der Antike bekannt war und im Obstanbau oder bei Rosen genutzt wurde.
Man nimmt eine amerikanische Wurzel als Unterlage und pfropft Edelreiser genannte Zweige aus der gewünschten Rebsorte auf. Im Weinbaumuseum, an dem die Probe stattfand, ist dies anschaulich erklärt. Rebveredeler heißen die Fachleute, die diese wichtige Aufgabe durchführen und in Hochheim gab es einst einen solchen Betrieb.
Auf den Inseln Santorin und Zypern, in Chile und im portugiesischen Bereich Colares finden sich noch wurzelechte Reben, auch in der Camargue in dem sandigen trockenen Boden, in dem es die Reblaus weniger leicht hat.
Was ist der Vorteil, wenn sie doch so anfällig sind? Wurzelechte Pflanzen entwickeln eine mächtige Pfahlwurzel, die senkrecht und tief in den Boden wächst. Sie können sich auch in heißen und trockenen Perioden mit Wasser und Nährstoffen versorgen. Auch passen sie sich offenbar schneller an klimatische Veränderungen an, wie einige Winzerinnen und Winzer feststellen konnten. Die Weine, die man damit erzeugt, sind geschmacklich oft interessanter und terroirbetonter als die modernen Varianten.
Es ist außerdem wichtig, diese alten Pflanzen als Genpool zu erhalten, um sie wieder einkreuzen zu können.

In Deutschland wird man hauptsächlich an der Mosel fündig und nach einer Begrüßung der Mitglieder und Gäste startete Ruitenberg seinen Bildvortrag mit anschaulichen Steckbriefen der Weine und Betriebe, der Winzerfamilien sowie zu jedem Vertreter die passenden Lagen- und Landkarten.
Zur Probe kamen ausschließlich Rieslinge. Man begann mit zwei Riesling Alte Reben vom Weingut F-J Regnery, Klüsserath (Mosel) Auslese trocken aus den Jahrgängen 2024 und 2023. Typische Mosel-Schiefer-Mineralität auf dem Gaumen, knackige Säure, Komplexität.
Weiter ging es mit drei Weinen vom Weingut Schneiders-Moritz, Pommern (Mosel), dem Pommerner Rosenberg Riesling trocken, Jahrgänge 2023, 2022 und 2021. Hier konnte man gut erschmecken, wie etwas mehr Zeit den Wein runder und harmonischer macht.

Nach drei weiteren trockenen Weinen aus Saarburg (VDP.Ortswein vom Weingut Forstmeister Geltz Zilliken), Thörnich (VDP.Großes Gewächs aus der Steilstlage vom Weingut Ludwig) und einem 2022 Bruaneberger Juffer Sonnenuhr Riesling VDP.Großes Gewächs trocken (Weingut Fritz Haag, Brauneberg) kamen zwei süße Tröpfchen ins Glas.
„Endlich ein süßer Wein!“, erschallte es aus dem Mund eines bekannten Hochheimer Liebhabers süßer Weine.
Zunächst, und mit einem etwas kleineren Dosierer ausgeschenkt, da Ruitenberg die letzte Flasche beim Händler seines Vertrauens erworben hatte, eine 2023 Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese, Weingut J.J. Prüm, Bernkastel-Wehlen. Eine Fülle von reifen gelben Früchten breitete sich auf der Zunge aus.

Gekrönt wurde die Probe mit einem gereiften Wein: einem 2003 Pommerner Rosenberg Riesling Beerenauslese vom Weingut Schneiders-Moritz. Nur noch 7% Alkohol und ein Restzucker von 148 … nicht für Diabetiker geeignet. Die wurzelechten Reben sind von 1860 und der Wein ein Gedicht.

Zu Brot und Wasser gesellten sich diesmal Spundekäs und Bretzelchen, die passen immer zu Riesling, sowie zwei verschiedene Quiches, hausgemacht in Sue’s Kitchen. Wie immer, fanden sich sowohl beim Aufbau als auch beim Aufräumen viele helfende Hände.

Eine weitere Probe mit Weinen wurzelechter Reben aus dem Ausland wäre sicher auch interessant, meinten einige der Teilnehmenden. Vielleicht kann man sie dazu animieren, bei ihren Urlauben in einschlägigen Regionen nach passenden Exemplaren Ausschau zu halten, dies würde die Beschaffung vereinfachen.

Der obige Bericht war natürlich auch in der Hochheimer Zeitung abgedruckt. Den entsprechenden Artikel kann mann hier nachlesen. Die Probenfolge der Weinprobe steht auch zur Verfügung.

Planwagenfahrt Part II

Geselliger Genuss in den Weinbergen – GenussSpechte zum zweiten Mal mit dem Planwagen unterwegs

Nachdem dieser Ausflug im letzten Jahr viel Genuss und Freude gebracht und die Teilnehmenden schon beim Aussteigen signalisiert hatten, für Wiederholungen offen zu sein, war es letzten Samstag so weit.

Als Planwagenfahrt durch die Hochheimer Weinberge mit Weinprobe – Part II stand sie im Programm und als Treffpunkt fungierte der Weinprobierstand. Bei dem kalten Wetter vor zwei Wochen kamen zunächst Bedenken auf – der September kann unberechenbar sein. Sollte man nicht doch den Wein durch Glühwein und den Spundekäs durch Raclette ersetzen? Die Sorgen waren unbegründet – Vorstände und Organisatoren Jutta und Ingo Hühn hatten offensichtlich den letzten milden Sommerabend extra für die GenussSpechte reserviert.

Mit dem Planwagen von Udo Ejneberg und Daniel am Steuer, wie schon letztes Jahr, ging es um 18:30 los auf eine Rundfahrt durch die Hochheimer Weinbergslagen – jetzt ohne Trauben. Die Wetterkapriolen und die fast gleichzeitige Reife aller Rebsorten hatten zu einer Blitzlese geführt, wie Daniel zu berichten wusste. Die Winzerinnen und Winzer mussten sich mächtig ins Zeug legen und lange Tage und kurze Nächte in Kauf nehmen, um das Traubengut heil und gesund in den Keller zu bekommen und zügig zu verarbeiten. Was man in verschiedenen Gesprächen und von Social Media Posts entnehmen konnte, ist das gelungen und man darf auf den neuen Jahrgang gespannt sein.

Das Menü bestand aus Weck und Worscht, Spundekäs und Brezeln sowie Camembert. Bei langsam einsetzender Dämmerung (die leider etwas farblos ausfiel, im nächsten Jahr muss noch an die rechtzeitige Vorbestellung eines malerischen Sonnenuntergangs gedacht werden, vielleicht bekommt man den als Package-Deal mit den milden Temperaturen) genossen die Teilnehmenden zunächst die Weine von Udo Ejneberg (Riesling trocken, feinherb, süß; Rosé und Weißburgunder). Bei drei Stopps verkosteten die GenussSpechte die zusätzliche Weinprobe von drei Weinen: Zuerst einen 2024er Grauburgunder vom Weingut Petry, den Daniel, wie auch die beiden folgenden Weine, ansprach und vorstellte.

Der Halt am Königin Victoria Denkmal fand diesmal in der Dunkelheit statt und das Gruppenfoto entfiel somit (wie auch das Aussteigen für diejenigen, die Treppen als lästig empfinden J). Der Königin Victoriaberg Riesling Kabinett trocken vom Weingut Joachim Flick mundete auch bei blauer Planwagenbeleuchtung hervorragend.

Beim letzten Stopp unterhalb der hell erleuchteten Kirche Sankt Peter und Paul kam ein Sauvignon Blanc vom Weingut Mitter ins Glas

Gegen 22 Uhr erreichte die fröhliche Gesellschaft den Weinprobierstand bei noch immer angenehmen Temperaturen. Zum Heimgehen war das entschieden zu früh und hinter dem Stand fanden sich zwei freie Tische. Schnell standen Wasser, ein Spätburgunder Rosé und ein Riesling vom Weingut Preis auf dem Tisch, und Nachschub kam immer rechtzeitig. So ließen fast alle Teilnehmenden den Abend noch am Weinprobierstand gemütlich ausklingen.

Der obige Bericht von Susanne war natürlich auch in der Hochheimer Zeitung abgedruckt. Den Artikel kann mann hier nachlesen.

Weinrecht – Trockene Materie oder liebliches Rechtsgebiet?

GenussSpechte verbinden Genuss mit Gelehrigkeit

Der Montag ist ein ungewöhnlicher Tag für eine Weinprobe, aber passend für eine Veranstaltung, die Genuss und Wissen verbindet. Am 11. August trafen sich 24 GenussSpechte und Gäste im Weinbaumuseum für einen Vortrag mit Weinprobe zum Thema „Neues aus dem Weinrecht“.

Foto: Sibylle Schwarz

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht Michael A. Else konnte als Vortragender gewonnen werden. Neben seiner beruflichen Tätigkeit ist er Vorstandsmitglied bei Weinfeder e.V., dem Verband deutschsprachiger Weinpublizisten; Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Historischen Weinbaus im Rheingau e.V. und anerkannter Berater für Deutschen Wein. Darüber hinaus ist er im Rheingauer Weinkonvent aktiv sowie Herausgeber von LexVinum, einer Weinrechtssammlung der relevanten Vorschriften in EU, Bund und Ländern im Internet. Geballtes Weinwissen also.

Den Abend kann man unter der Kategorie „Pädagogisches Trinken“ verbuchen, einer kürzlich entstandenen neuen Wortschöpfung.

Nachdem Hendrik Ruitenberg alle Anwesenden begrüßt hatte, stellte Michael Else sich vor und bot an, dass man, wie unter weinaffinen Menschen üblich, zum Du übergehe.

Die ersten drei Weine sollten verdeckt ausgeschenkt werden und da es einen Themenblock “alkoholfreie Weine” gab, war man sich an beiden Tischen schnell einig, dass die ersten beiden Weine aus dieser Kategorie stammen mussten – und doch deutlich besser mundeten als bisherige Versuche. Auch die vermutete Rebsorte Sauvignon Blanc durch eine starke Note von grüner Paprika fand Konsens.

Während die Teilnehmenden verkosteten und rätselten, erläuterte Michael spannende Zahlen, Fakten, Statistiken und rechtliche Hintergründe mit einer detailreichen und spannenden Präsentation.

Es ging um Gesetzestexte und Verordnungen, Kennzeichnungspflichten, E-Label, Nährwerte und Inhaltsstoffe,

Über die rechtlichen Hintergründe macht man sich als Konsument in er Regel keine großen Gedanken – aber die Ehrfurcht vor der Leistung der Winzerinnen und Winzer, die sich mit teils abstrusen und schwer umzusetzenden Vorschriften auseinandersetzen müssen – so zum Beispiel eine Nährwertangabe bei Wein – dürfte durch diesen Abend zugenommen haben.

Die ersten beiden Weine waren in der Tat aus der Rebsorte Sauvignon Blanc. Der eine hatte unter 0,5% Alkohol und entsprach somit der rechtlichen Definition “entalkoholisierter Wein” und der andere hatte mehr als 0,5%, war aber unter dem vorhandenen Mindestalkoholgehalt der Kategorie (des Weines) vor der Entalkoholisierung – na, alles verstanden?

Die dritte Probe, die eindeutig keine Fans gefunden hatte, entpuppte sich als “alkoholfreies aromatisiertes Getränk aus entalkoholisiertem Wein” und dieser fällt unter das Lebensmittelrecht. Geschieht ihm recht, denn dieses Getränk ist es nicht würdig, unter das Weinrecht zu fallen, befanden die Probenteilnehmenden.

Der nächste Themenblock befasste sich mit dem Bezeichnungsrecht und behandelte Angaben zur Abfüllung, Weingut, Erzeugerabfüllung, Traubenzukauf, Weinfüllungen für den Lebensmitteleinzelhandel (“LEH”) und zur Verdeutlichung diente ein LEH Grauburgunder, auf den man nicht näher eingehen muss.

Danach lernten die trotz der fortgeschrittener Zeit und komplexen Themen zwischen den Murmelpausen mucksmäuschenstill und aufmerksam zuhörenden GenussSpechte und Gäste alles über geschützte geografische Angabe, geschützte Ursprungsbezeichnung, Qualitätswein und Prädikate – hier war natürlich Wissen vorhanden – Geoschutz und Produktspezifikation.

Foto’s: S. & H.Ruitenberg

Wein Nr. 5 war ein 2024er Weißburgunder “Die Eisheiligen”  trocken, ein VDP Gutswein aus Baden. So weit, so klar. Das Etikett erinnerte jedoch stark an das Weingut Schloss Proschwitz und das ist, wie die meisten wussten, in Sachsen. Das Etikett besagte “Weinhaus Prinz zur Lippe” und war aus Zukauftrauben (dem Frost geschuldet) lediglich in Sachsen abgefüllt.

Das nächste Thema war Naturwein, und dieser Begriff ist nicht mehr zulässig. Hauptmerkmal ist keinerlei Zusatz, weder Reinzuchthefen, noch Zucker, noch Schönungsmittel, daher gelten Prädikatsweine als “Nachfolger der ursprünglichen Naturweine”. Verdeutlicht wurde dies mit einem 2021er Naturreich NApurTUR, diese eigenwillige Schreibweise versteckt das Wort Natur. Es handelte sich um einen interessanten maischevergorenen, leicht orangefarbenen Weiß- und Grauburgunder, der polarisierte. Von “geht gar nicht” bis “bester Wein der Probe” reichte die Bandbreite.

Foto: Sibylle Schwarz

Zu guter Letzt widmete man sich dem Thema Spätlese – passend zum Jubiläum. Hier hatte Hendrik Ruitenberg die Weine ausgewählt mit den Vorgaben “Spätlese mit und ohne Botrytis”, während die anderen Weine von Michael vorgegeben bzw. mitgebracht waren.

Als Vertreter “mit” kam ein 2009er Riesling “Höllenzauber”, eine trockene Spätlese vom Weingut Sack ins Glas, der würdige Reifetöne und eine beeindruckende Dichte aufwies. Im Anschluss verkosteten die Teilnehmenden eine trocken Spätlese, ein 2018er Kirchenstück und danach eine junge milde Spätlese, eine 2024er Hochheimer Domdechaney, beide vom Weingut Schäfer.

Die Weinprobe war trotz der “schweren” Thematik hochspannend und gar nicht trocken und die GenussSpechte waren sich schnell einig, dass man unbedingt Kontakt zum Vortragenden halten müsse. Wie üblich, bekam Michael Else Hochheimer Blumen zum Abschied und trotz der späten Stunde fanden sich viele helfende Hände, um das Museum wieder aufzuräumen.

Foto: Sibylle Schwarz
Foto: H.Ruitenberg

Der obige Bericht war natürlich auch in der Hochheimer Zeitung abgedruckt. Den Artikel kann mann hier nachlesen.

Kleine Radtour nach Kostheim

Ursprünglich hatten wir geplant, mit den Rädern nach Kostheim zu fahren, an ein bis zwei Stellen im Weinberg Weine vom Weingut Schilling zu probieren – mit kleinem Vortrag des Winzers – anschließend im Weingut eine Weinprobe mit Vesperteller zu genießen und den Abend im Bacchus-Speicher ausklingen zu lassen. Leider hatten wir dafür zu wenig Anmeldungen. Wir mussten dennoch nicht komplett auf den Ausflug verzichten: Das Offene Wohnzimmer Kostheim hatte eine ähnliche Veranstaltung geplant: Sie wollten eine Wanderung machen, an zwei verschiedenen Treffpunkten Schilling-Wein probieren und ebenfalls im Bacchus-Speicher zum gemütlichen Teil übergehen. Was lag näher, als dass wir an diese Veranstaltung anknüpften, mit den Rädern anstatt zu Fuß?

Nun war es an dem Tag allerdings extrem heiß.

Aus den zwei Probenpunkten mit längerem Wanderweg wurde einer, mit Sitzbänken im Schatten, kühlem Wein und Brezel und interessanten Details über Weingut und Machart, vorgetragen von Ernst-Peter Schilling.

Nach dem Genuss eines Weissen Burgunder aus 2023 und einem vollmundigen Classic aus 2022 und viel Wasser gestärkt endete dieser sehr informative und genussvolle Teil des Nachmittags.

Die Wandergruppe begab sich die offenbar auf ziemlich direktem Weg zu Antonie und Andreas vom Weingut Bacchus Speicher, trafen sie doch kurz nach uns dort ein. Wir hatten darauf verzichtet, mit den Rädern noch eine Runde zu drehen und uns lieber schnell einen Schattenplatz in dem kleinen Wäldchen um den Speicher gesucht. Kaum saßen wir, standen die ersten Wein- und Wasserflaschen auf dem Tisch und in regelmäßigen Abständen sprang jemand auf und besorgte Nachschub. Gefühlt leerten wir pro Weinflasche mindestens 3-4 Wasserflaschen, und dass, obwohl wir – bis auf zwei Ausnahmen, aus Hattersheim und sogar Rodgau mit dem Rad gekommen (!!) kaum 3 Kilometer zurückgelegt hatten.

Zu viel Sport ist bei solch hochsommerlichen Temperaturen gar nicht gesund. Im Schatten war es allerdings herrlich und nachdem wir uns durch die Weine und die Speisekarte probiert hatten, gegen Abend, traten wir wieder den Heimweg an. Abteilung Hattersheim und Rodgau verabschiedeten sich von Abteilung Hochheim. Wir kamen ja am Weinprobierstand vorbei. Ganz zufällig. Grundsätzlich weigern sich Hochheimer Fahrräder bekanntlich, daran vorbeizufahren, so dass auch hier noch einige Wein- und viele Wasserflaschen zu einem gemütlichen Ausklang beitrugen Wir genossen Weine vom Weingut Rebenhof und die tollen Speisen vom Bootshaus Flörsheim und irgendwann wurde auch die Temperatur erträglich.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, wir werden in jedem Fall einen neuen Termin ansetzen für eine Weinprobe mit Ernst-Peter und Bettina im Weingut Schilling. Vielleicht nicht gerade im Hochsommer …

Wir wollen weiterhin Euch das Weingut Schilling näher bringem. Da passt es gut, dass das Weingut Schilling im Dezember 2025 eine öffentlich buchbare Probe anbietet:
Weinprobe „Birne“ am Sonntag 14.12. im Weingut Schilling in Kostheim
Dieses Jahr steht die Birne in Mittelpunkt. 
Was wohl kaum einer weiß, sie gehört zur Pflanzengattung, die zu den Kernobstgewächsen in der Familie der Rosengewächse gehört.
Schauen, wir mal, wie diese leckere Frucht uns im herzhaften oder süßen Zustand verzaubern kann.
Beginn 19:00 Uhr. Sekt zur Begrüßung mit einem mehrgängigen Menü, umrahmt von einer Weinprobe mit 4 Weinen.
Die Weinprobe ist so beliebt, dass die Termine am 5. und 7.12. bereits ausgebucht sind. Der 14.12. ist ein Zusatztermin, der uns auf Anfrage genannt wurde.

Wer Interesse hat meldet sich bitte per Email bis Samstag 5.7. an unter email(at)genussspechte.de

Wein, Wild und Gaumenfreuden

GenussSpechte lassen das Jahr ausklingen (HWG)

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, macht man es sich gerne drinnen bei einem guten Glas Wein gemütlich. Auch das Bedürfnis nach leichten und kalten Gerichten geht spürbar zurück. Bei den GenussSpechten ist der Name Programm und schon im zweiten Jahr der jungen Vereinsgeschichte hat sich eine schöne und beliebte Tradition etabliert: Das ereignisreiche Proben- und Ausflugsjahr mit einer besonders genussvollen kulinarischen Weinprobe zu krönen; am 15. November war es soweit.

Die Idee zu Wein und Wild kam bereits im letzten Jahr auf und Vorstand Hendrik Ruitenberg suchte im Internet nach interessanten Quellen. Dabei stieß er auf Sommelier Hanns Fertsch vom Weinhandel Fertsch in Bad Nauheim. Dieser führt eine Vielzahl von hochinteressanten Themenweinproben durch – allerdings nur vor Ort. Er erklärte sich jedoch gerne bereit, eine Probe von mittelpreisigen bis gehobenen Weinen für die GenussSpechte zusammen zu stellen. Vorstand Hendrik Ruitenberg besorgte die Weine und, da man keine Zeit mehr zum Vorkosten hatte, bat er Herrn Fertsch darum, die beste Reihenfolge festzulegen.
Für das Catering zeichnete, wie schon im letzten Jahr, Roger Ullrich verantwortlich, der die Weinliste und genaue Beschreibungen der Weine hatte und ansonsten nur die Anweisung „Mach mal, wir lassen uns gerne überraschen“. Vorstände Jutta und Ingo Hühn dekorierten den Gemeindesaal festlich und kreativ unter Plünderung des eigenen Gartens und dank vieler helfender Hände war im Nu der Saal der evangelischen Kirche bereit für Mitglieder und Gäste.

Zum ersten Wein, einem Cabernet Sauvignon Unfiltered vom Weingut Peth Wetz aus Rheinhessen, reichte Ullrich einen Gruß aus der Küche in Form eines Crackers mit geräucherter Entenbrust.
Nach diesem Wein folgten zwei Weißweine, ein Chardonnay Unfiltered vom selben Weingut und ein Riesling Uhlen Roth Lay Großes Gewächs 2016 von Heymann-Löwenstein (Mosel). Dazu gesellte sich Feldsalat mit gewürzten Kichererbsen, roten Zwiebeln an einem Orangendressing und gratiniertem Ziegenkäse. Beide Weine passten gut, bei dem Riesling entfesselte sich regelrecht eine Geschmacksexplosion auf dem Gaumen.

Wie eine gut einstudierte Choreographie folgten den ganzen Abend lang: Ausschenken durch drei Freiwillige, Präsentation der Weingüter und Winzer an der Leinwand durch Ruitenberg, servieren der Teller und Löffelhappen durch viele Teilnehmende. Roger Ullrich ließ es sich nicht nehmen, jedes kleine Gericht und jeden Löffel zu erläutern und für die Interessierten ein wenig aus dem Nähkästchen der Zubereitung zu plaudern.
Zur Verkostung kamen vier Spätburgunder von der Ahr, aus Rheinhessen, der Pfalz und der Bourgogne (Frankreich), anschließend ein italienischer Nebbiolo aus dem Piemont, ein Cuvée aus Südafrika, ein Côte du Rhone und als Höhepunkt ein hervorragender (und etwas hochpreisiger) Shiraz aus Australien.
Dazu genossen die Teilnehmenden Steinpilzrisotto mit Speckchip, Rehrücken auf Rahmwirsing, hausgemachte Semmelknödel mit Wildragout und Dattel-Maronen Rotkraut und zum Schluss Zimtparfait mit Pflaumen im Portweinsud.

Auch beim Abräumen und Aufräumen halfen alle tatkräftig mit und neben lang anhaltendem Applaus gab es für Roger Ullrich und seine Helferin natürlich auch flüssige Blumen, ausnahmsweise nicht aus Hochheim.

Nachlese

Die zweite Genussreise unseres jungen Vereins führte uns, wie könnte es anders sein, in die Niederlande. Was wir dort erlebten, kann man auf der Homepage nachlesen. Aber Lesen ist eine trockene Angelegenheit. Was liegt näher, um schöne Erinnerungen zu wecken, als eine Weinprobe mit Fotoschau. So bekommen auch diejenigen, die nicht dabei sein konnten, einen Einblick und zugleich einen geschmacklichen Eindruck.

Da wir bei jeder Weinprobe auf unserer Genussreise in die Niederlande so leckere Häppchen serviert bekommen hatten, war uns gleich klar: wir müssen mehr anbieten als Brot und Käsewürfel!

Zum Glück sind wir kochbegeistert und darüber hinaus spontan und unkompliziert. Die Organisation der Veranstaltung lief über E-Mail und Signal-Chats und das Hin- und Herschicken von erst kürzlich im Internet entdeckten Rezepten.
Und weil unsere Vereinsmitglieder immer hilfsbereit sind, boten einige spontan an, früher zu kommen. Heike war uns in der Küche eine wertvolle Unterstützung und jeder und jede, die hereinkamen, fragten als erstes: „Was kann ich noch helfen?“
So macht Verein Spaß und daher an dieser Stelle:
DANKE an Euch alle.

Auf dem Teller hatten wir, nachempfunden der Häppchen vom Weingut Keulenhof (plus eigene Ergänzungen):

  • Kräutergouda
  • Pumpernickel mit Matjes
  • Krabben in Dillcreme auf Cracker
  • Olive und Frischkäse auf Cracker
  • Spießchen von mariniertem Schweinefleisch
  • Quiche mit grünem Spargel und Schinken
  • Spargel in Schinkenhülle mit Estragonöl

Dazu ein Schälchen mit einem herrlichen Kartoffelsalat mit Spargeln und Radieschen.

Als Dessert, zum süßen Wein, überraschte und Jutta mit einer Spargel-Panna Cotta mit Erdbeercoulis, ein absoluter Hochgenuss.

Ja, ihr habt richtig gelesen, vier Mal Spargel. Auf der Reise hatten uns alle Winzer vollmundig erklärt, wie hervorragend der gerade eingeschenkte Auxerrois zu Spargel passe. Leider bekommt man Ende August auch in den Niederlanden keinen mehr und das Ganze artete in einen Wettbewerb aus, wer fragt als erstes: „Und wo bleibt der Spargel?“

Glücklich die Teilnehmenden der Nachlese, die die Disziplin hatten, mit dem Verzehr des Spargels bis zum Auxerrois zu warten. Und ausgerechnet bei diesem Wein gab es eine Servierpanne! Die Etiketten von Apostelhoeve sind alle gleich und die Rebsorte nur mühsam zu lesen. So hatte der eine Tisch den Auxerrois, der andere den Viognier, der danach hätte ausgeschenkt werden sollen. Beim Wein danach wurde kurzerhand gewechselt.

Hendrik hatte zwei Präsentationen erstellt. Jedes Mal gab es witzige Anmerkungen aus dem Publikum, wenn er von einer zur anderen schaltete und man sein Desktopbild, die katholische Kirche von Hochheim, sah. Man wähnte sie bereits in den Niederlanden nachgebaut …

Neben den vielen Fotos zeigte Hendrik Informationen über das Weinanbauland Niederlande, die einzelnen Weingüter, die Winzerfamilien sowie Steckbriefe der verkosteten Rebsorten.

Wir probierten die folgenden Weine:

  • 2022 Parel van Elst Rosé, Wijngaard Keulenhof, Elst, BGA Gelderland, ein fruchtiger Secco (Cabernet Cortis und Muscaris)
  • 2023 Colonjes Circulé Secco Rosé, Biol. wijnhoeve De Colonjes, Groesbeek, BGA Gelderland (Pinotin)
  • 2022 Bergdorpje Rosé , Wijndomein St. Martinus, Vijlen, BGA Limburg (Cabernet Cortis, Regent, Dornfelder & etwas Cabernet Cantor)
  • 2023 LingeWit | Blanc de Noir, Betuws Wijndomein, Erichem, BGA Gelderland (Pinotin, Cabernet Cortis)
  • 2023 Colonjes Circulé Wit, Biol. wijnhoeve De Colonjes, Groesbeek, BGA Gelderland (Sauvignac, Helios, Cabernet blanc, Muscaris)
  • 2023 Mussec, Wijngaard Keulenhof, Elst, BGA Gelderland (Muscaris)
  • 2023 Schouwen-Druivenland Gris, Wijnhoeve de Kleine Schorre, Dreischor, BGA Zeeland (Grauburgunder)
  • 2023 Schouwen-Druivenland Souvignier Gris, Wijnhoeve de Kleine Schorre, Dreischor, BGA Zeeland
  • 2022 Auxerrois, Wijngaard Apostelhoeve, Maastricht, BOB Mergelland
  • 2022 Viognier, Wijngaard Apostelhoeve, Maastricht, BGA Limburg
  • 2023 Twentewijn- Solaris in nieuwe eiken Barrique gerijpt, Hof van Twente, Bentelo, BGA Overijssel (Solaris aus dem Barrique)
  • 2023 Twentewijn- Sueterie Rood, Hof van Twente, Bentelo, BGA Overijssel (Pinotin, Regent und Rondo)
  • 2023 7 zonden, Wijndomein St. Martinus, Vijlen, BGA Limburg  Cabernet Cortis, Cabernet Cantor aus den Jg. 2019, 2020 & 2021)
  • 2022 Solaris Late Oogst, Hoeve Nekum, Maastricht, BGA Limburg (Süßwein aus später Lese)

Die Stimmung war heiter bis ausgelassen und gelegentlich hatte Hendrik Schwierigkeiten, uns wieder zu disziplinieren, um seinen interessanten Vortrag weiterzuführen.

Schon während der Weinprobe hatten fleißige Hände damit begonnen, nicht mehr benötigte Teller und Bestecke abzuräumen und die erste Maschine anzuwerfen, so dass auch das Aufräumen am Ende schnell erledigt war.

Jemand äußerte den Wunsch, alle paar Jahre in die Niederlande zu fahren, um den Fortschritt der einzelnen Betriebe zu überprüfen. Keine schlechte Idee! Da ist Bruno von De Boe, der gerade erst gestartet hat, und Gilbert und Robin, die Söhne von Mathieu Hulst vom Apostelhoeve, sie sprühen vor Kreativität und Ideen, Adam aus Groesbeek und Johan aus Zeeland sind inzwischen zu Freunden geworden, da fährt man gerne wieder einmal hin.

Die Niederlande sind immer eine Reise wert.

Tagesausflug nach Essenheim zum Weingut Wagner

Manchmal fügt es sich, dass Termine dicht hintereinanderliegen, besonders, wenn sie einen langen Vorlauf haben. Das Wochenende an der Bergstraße ist gerade einmal zwei Wochen her, dennoch waren wir schon wieder auf Achse. Jutta hatte die Idee für diese Veranstaltung vor fast zwei Jahren, und auch die Organisation übernommen Bei der Planung ist man natürlich immer abhängig von den Terminkalendern der Winzer. Wenn der Winzer darüber hinaus ein gefragter Autor ist und Lesungen in der ganzen Republik anbietet, wird die Terminfindung nicht gerade leichter.

Wir trafen uns mit knapp 20 Personen und einer ausgeklügelten Logistik mit Gruppenkarten, Deutschlandticket, vorher an die Orga gemeldeten Einstiegshaltestellen im Bus 68, der sogar pünktlich war. Die Wartezeit am Hauptbahnhof Mainz konnte überbrückt werden mit 1. der Suche nach Bussteig „O“ und 2. einer Betriebsmittelzufuhr in Form von Brezeln oder Erzeugnissen der amerikanischen Systemgastronomie und verging wie im Flug.

Der Bus 654 zuckelt gemütlich durch Klein-Winternheim und Ober-Olm auf seinem Weg nach Essenheim und es ist sehr schön dort, so weit man das aus dem Busfenster erkennen kann. Ob es hier auch interessante Weingüter zu erkunden gibt?
Im Weingut Wagner angekommen, begrüßte uns Andreas Wagner mit einem trockenen Silvaner und einer Brezel zur Stärkung, bevor wir auf die Weinbergwanderung loszogen, zeitgleich übrigens mit seiner Frau und einer anderen Gruppe in die entgegengesetzte Richtung.
Andreas schleppte einen Rucksack mit Weinen und ein Klemmbrett mit Textauszügen seiner Romane.

Zunächst gab es Eckdaten zum Familienweingut: 1692 erwarben die Vorfahren erste Weinberge in Essenheim. Heute sind 30 ha im Anbau, es werden ca. 240.000 Flaschen pro Jahr erzeugt. Der Abverkauf ist zu 95% an Privatkunden, etwas Gastronomie, keine Händler. Kunden sind in ganz Deutschland verteilt, viele kommen regelmäßig aus dem näheren und weiteren Umland und laden das Auto randvoll. Früher ein Mischbetrieb, wie so viele, hat man sich inzwischen ganz dem Wein gewidmet und auf biologischen Weinbau umgestellt. Die drei Brüder haben das Weingut vor über 20 Jahren übernommen, der Vater, 82, ist allerdings noch immer sehr aktiv – sei es im Weinberg beim Ausbringen von Spritzmitteln (mit Tracking-Handy …), sei es in der Straußwirtschaft mit dem Schleppen von schwer beladenen Tabletts.
Gelesen wird von Hand und mit dem Vollernter, je nach Reifegrad, Wetter und gebotener Eile.

Der erste Haltepunkt der Wanderung auf einer beschaulichen Wiese hinter dem Haus bescherte uns eine Textstelle aus dem Roman „Hergottsacker“, nämlich der Leichenfund durch den Hund auf einem Spaziergang. Dazu erklärte Andreas, wie die Idee zu dieser Szene zustande kam. Beim Ausbau der Freitreppe der Kirche fanden Bauarbeiter einst menschliche Knochen – an einem Freitagnachmittag. Um nicht den Feierabend zu verlieren, packten sie die Erde und Knochen kurzerhand auf den Bauwagen und kippten sie auf den Erdhügel mit den anderen Erdresten vom Aushub, irgendwo zwischen den Weinbergen. Just am nächsten Montag trug es sich zu, dass eine Kitagruppe eine kleine Wanderung unternahm. Als ein kleiner Junge des Abends mit menschlichen Gebeinen auf seiner kleinen Blechtrommel herumtrommelte, kam die Sache ans Licht. Es waren indes Knochen aus dem 18. Jahrhundert. Dieses kuriose Ereignis hatte Andreas in seinem Notizbuch notiert für eine spätere Verwendung. Es ist immer interessant, wie Autoren inspiriert werden (vor allem, wenn man sich schon selbst an Belletristik versucht hat, wie Eure Chronistin).

Weiter ging es zu einer Stelle mit einem Wäldchen auf der einen Seite des Weges und einem herrlichen Ausblick auf die Weinhügel auf der anderen Seite. Ganze 2 Rebzeilen hat Familie Wagner an dieser Stelle, zu erkennen am rot eingefärbten

Stickel. Dass diese zwei Reihen biologisch sind, sah man auf den ersten Blick – sattes Grün der Blätter und auf dem Boden. Die herbizidgetränkten Reihen rechts und links sahen weniger glücklich aus. Zum Glück sind die konventionellen Winzer so vernünftig, nicht bei starkem Wind zu spritzen, zudem haben sie heutzutage Maschinen mit den Spritztunneln, so dass es so gut wie keine Verunreinigung gibt.
An dieser Stelle verkosteten wir einen Rosé, die Drei Jungs, einem Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Früher hatte man, um die Rotweine kräftiger ausbauen zu können, eine Vorlese gemacht und die Trauben reduziert, indem man Überzählige auf den Boden warf. Nachhaltig ist das allerdings nicht und passt nicht zum Anspruch eines Biobetriebs. Daher ist man dazu übergegangen, eine Vorlese zu machen, aus der man Rosé erzeugt. Das ist arbeitsintensiv und verlangt Können, denn man muss entscheiden, welche Trauben man hängen lässt und welche man liest. Die eigentliche Rotweinlese geht dann erheblich schneller, da wird nur noch faules oder beschädigtes Traubengut entfernt.
Der Rosé ist sehr gelungen, fruchtig, sommerlich, trocken. Auf dem Etikett ist ein altes Foto von drei Jungen im Weinberg abgebildet, aus dem Familienalbum. Als Textstelle, von diesem dichten waldähnlichen Bewuchs hinter dem Weg inspiriert, folgte ein Auszug aus einem der älteren Romane – der Rüben-Rudi, ein älterer, dem Alkohol stark zugeneigter ehemaliger Winzer, der in seiner Freizeit Easy Rider Fantasien mit dem Moped auslebt – und dabei eine unschöne Begegnung mit einem gespannten Draht hat. Was Andreas Wagner auszeichnet, ist, dass er gruselige Begebenheiten mit besonderem Sprachwitz und ironischen Formulierungen schildert, die beim Lesen – oder Vorgelesenbekommen – sehr großen Spaß machen.

Den Rotwein, einen reinen Merlot, probierten wir an einer Wegkreuzung zwischen den Weinbergen. Der Wein bekommt ausreichend Reifezeit, erst im Stahltank, dann in gebrauchten Barriques – man möchte einen Austausch mit der Luft, keinen übermäßigen Holzeintrag. Nachdem die Gläser gespült waren, schloss sich ein Grauburgunder an.

Als Lesung gab es einen Auszug, der besonders zum Kennenlernen eines Winzer-cum-Detektivs aus der Feder von Andreas geeignet war.
Seine ersten Romane hatten einen nach Rheinhessen versetzten Polizist aus Dortmund als Hauptfigur. Irgendwann jedoch stand dem Autor der Sinn nach neuem Personal und so ersann er sich einen liebenswerten, etwas skurrilen Winzer, der als eine Art Miss Marple in männlicher, rheinhessischer Version konzipiert ist – Kurt-OttoHattemer. Wir wissen alle, dass es einen Winzer mit diesem Nachnamen in Gau-Algesheim gibt, der wurde natürlich um Erlaubnis gefragt.
Kurt-Otto Hattemer jedenfalls ist ein Genießer und insbesondere „Bixebratworscht“ hat es ihm angetan, Bratwurst in Dosen. Seine Gattin, eine Studienrätin, lässt sich gelegentlich von Kochsendungen, aber auch batiktuchbehangenen Kolleginnen aus dem Lehrerzimmer zu neuen Kreationen inspirieren. Gegen Geschnetzeltem aus Lupinenbratlingen mit wenig animierender Konsistenz hilft da nur ein geheimer Vorratan Wurstdosen. Herrlich die Szene, wie das Versteck in der Weinpresse bei einer nächtlichen Heißhungerattacke auffliegt.
Andreas berichtet auch an dieser Stelle von kuriosen Reaktionen einiger Besucher einer Lesung in Berlin, bei der sich die Buchhändlerinnen alle Mühe gegeben hatten, Bixebratworscht zu besorgen – zum Beispiel, wie man denn die Bratwurst in die Dose bekäme und wie man sie braten solle …

Nach der Rückkehr ins Weingut folgte eine kurze Kellerführung mit einem Riesling von einem sehr kalkhaltigen Boden. Kalk hat den Vorteil, die Säure gut abzupuffern, und sorgt für sehr gut trinkbare, aromatische, aber auch weiche Rieslinge.
Nach dem üblichen Abschiesritual – Gästebuch, Hochheimer Blumen (vom Weingut Schäfer), Applaus und Dank begaben wir uns an unseren reservierten Tisch im Hof der Straußwirtschaft, unter dem Dach, zum Glück, denn jetzt setzte der langersehnte Regen ein. Perfektes Timing! Wir ließen den Abend bei leckerem Essen und leckerenWeinen ausklingen, ehe wir um 18:55 Uhr den Heimweg antraten (und dabei für Stimmung im Bus sorgten).
Eine sehr gelungene Veranstaltung!