Wein erwandern – Wein erraten

Zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen der GenussSpechte

(HWG)

Es ist bei den GenussSpechten unüblich, in einem Monat gleich zwei Veranstaltungen durchzuführen. Volle Terminkalender und die nahende Lese führten zu diesem weinseligen September. Vom Format her hätten sie verschiedener kaum sein können.

Am Samstag, dem 9. September 2023 fanden sich 14 Teilnehmer*innen im Gutsausschank „Zum Woigiggel“ der Familie Velten zu einem Weinbergsspaziergang mit Weinprobe zusammen.

Die Veranstaltung begann, nach der Begrüßung durch Ingo Hühn und Ludwig Velten, mit einer kleinen Vesper und einem Glas Secco im Gutsausschank.

Gegen 19:45 Uhr ging es los. Ludwig Velten und Klaus Schmikl begleiteten den Weinbergsspaziergang. Jan Velten fuhr das Begleitfahrzeug von Station zu Station und brachte die gekühlten Weine und Zwischensnacks.

Bei der ersten Weinprobe, noch in der Neudorfgasse, wurde den Teilnehmenden ein Gelber Orleans gereicht. Jan Velten berichtete, dass vor einigen Jahren einmal die gesamten lesereifen Trauben des Weinbergs gestohlen wurden!

Weiter ging es, am Kriegerdenkmal in der Mainzer Straße entlang, in die Weinberge.

Wegen der einsetzenden Dunkelheit führte Ludwig Velten die Gruppe nicht, wie geplant, zu jedem einzelnen Weinberg, dessen Wein zur Verkostung kam. Es ging stattdessen den Herrnbachpfad entlang und zu vier weiteren Probestopps, unter anderem zum Küsterhaus und zum Kälberplatz.

Der heitere Ausklang dieses schönen, interessanten und erlebnisreichen Abends erfolgte im Gutsausschank.

Die GenussSpechte bedanken sich an dieser Stelle ganz besonders bei Ludwig Velten und Klaus Schmikl. Beide haben die Teilnehmenden an ihrem vielseitigen Wissen über Hochheim, die Weine und die Geschichten hinter den Toren teilhaben lassen und ihnen einen unvergesslichen Abend bereitet.

Vielen Dank auch an Familie Velten für ihre Gastfreundschaft und besonders an Jan, der trotz „voller Hütte“ die Boxenstopps versorgte.

Am Freitag, dem 15. September folgte die Masterclass-Weinprobe im Weinbaumuseum. Nach einer kurzen Begrüßung und Erläuterung von Hendrik Ruitenberg ging es los. Die Probe stand unter der Leitung von Arthur Fuchs, dem in Hochheim seit langem bekannten Weinexperten. Bei einer Blindverkostung von Rieslingen aus dem Rheingau, aus Rheinhessen und von der Nahe konnten die Teilnehmenden sich daran erproben, die Herkunft der Weine zu erschnüffeln und zu erschmecken. Es gab bei jedem der vier „Flights“ (Probengruppen) drei Weine, einer aus jedem beteiligten Anbaugebiet. Die Reihenfolge wechselte dabei jeweils. Arthur lieferte, neben vielen heiteren Weinsprüchen, nur Basisinformationen über die Weine wie Alkohol-, Restzucker- und Säurewerte. Die Teilnehmenden probierten und tauschten sich eifrig über die Weine aus. Wie sehr verraten der Duft und der Geschmack die Herkunft? Wer kann welche Früchte herausschmecken? Die Flights stiegen in ihrer Wertigkeit – von Kabinett trocken und feinherb zu Großen Gewächsen. Viele der Teilnehmenden lagen mit ihren Einschätzungen richtig. Wahrscheinlich hatten sie vorher heimlich geübt.

Wer Lust hatte, konnte sich daran versuchen, die Weine zu bewerten wie professionelle Verkoster – möglichst neutral, also ohne die eigenen Vorlieben in die Bewertung einfließen zu lassen.

Natürlich hat Arthur nach jedem Flight die Weine aufgedeckt und detailliert beschrieben, wobei manche Formulierungen der weinschreibenden Zunft, der Fachpresse entnommen, für Heiterkeit sorgten. Es war für alle, Anfänger wie Geübte, eine tolle Erfahrung, sich voll auf den Geruch und den Geschmack des Rieslings zu konzentrieren und die Unterschiede zu erkennen, ohne vom Flaschenetikett beeinflusst zu werden.

Als Dankeschön durfte der Probenleiter einen 2012er Hochheimer Riesling Alte Reben entgegennehmen.

Weinprobe in der Zehntscheune

Hervorragende Weinprobe in der Zehntscheune
GenussSpechte genießen Weine vom Domdechant Werner’schen Weingut (HWG)

Am Mittwoch, den 30. August, fanden sich die GenussSpechte in der Zehntscheune ein, für eine Weinprobe mit Weinen vom Domdechant Werner’schen Weingut, geleitet von Catharina Mauritz.

Nach der Begrüßung der Teilnehmenden durch Vorstand Hendrik Ruitenberg startete die Probe mit einem sommerlichen Rosé und einleitenden Worten von Catharina, die einen Überblick über die Historie des Weinguts und insbesondere der Zehntscheune gab. Dieses wunderschöne Gebäude aus Bruchsteinen diente der Lagerung der Naturalabgaben, als die Menschen noch den „Zehnten“ abliefern mussten. Heute ist es ein beliebter Veranstaltungsort, wird aber während der Lese aber auch für die Kelter genutzt.

Alle Gebäude des Weinguts stehen unter Einzeldenkmalschutz.

Das Weingut gibt es seit 1780, jetzt in 8. Generation, und es ist seit über 100 Jahren Mitglied im VDP, dem Verband der Prädikatsweingüter. Catharinas Großvater leitete es bis 1982, dann übernahm ihr Vater, Dr. Franz Michel.

Ihr ältester Sohn Ferdinand hat eine Winzerlehre absolviert und beginnt in Kürze mit dem Studium in Geisenheim, die nächste Generation wird also gut vorbereitet an den Start gehen und er wird der erste „echte“ Önologe der Familie sein. Über diese Nachricht freuten sich die Teilnehmenden sehr.

Nicht nur in Sachen Familie baut das Weingut auf Kontinuität. Besonderen Wert legt man auch auf einen guten Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das sieht mach auch an der langen Betriebszugehörigkeit. So ist Michael Bott schon seit über 30 Jahren Kellermeister. Ute Fischer, die das Gutsbüro betreut und im Vertrieb arbeitet, ist mehr als 10 Jahre dabei. Sie nahm an der Probe teil und unterstützte Catharina beim Ausschenken.

Das Weingut baut fast ausschließlich Riesling an und ist insbesondere für die Auslesen bekannt, dazu später mehr.

Ca. 2% machen die Früh- und Spätburgunder aus, wie der eingangs erwähnte Rosé, bei dem die beiden Burgundersorten zusammen gelesen und vergoren wurden. 60% der Weine gehen in den Export.

Aufgrund des Klimawandels ist der Oechslegrad bei der Lese nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium, führte Catharina weiter aus. Heute geht es darum, allen Wetterkapriolen zum Trotz, gesundes, vollreifes Lesegut hereinzuholen, bei einem Lesefenster, das immer kleiner wird, insbesondere hier mit praktisch einer einzigen Rebsorte. War es früher meist kalt und nass, so hat man heute eher das Problem, dass die Lese oft bei brütender Hitze stattfindet und die Gärung schon im Weinberg beginnt. Von daher setzt man beim Domdechant Werner’schen Weingut auf eine akribische Vorlese – Aussortieren aller „unerwünschten“ Beeren – und anschließende Lese mit dem Vollernter morgens um 4 Uhr, denn die Maschine benötigt kein Tageslicht dank der Scheinwerfer und so gelangt das Lesegut noch kühl auf die Kelter.

Das Weingut ist „Fair Choice“ zertifiziert. Das bedeutet, es wird kein Herbizid eingesetzt, Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Standards gelegt. Von den Kolleginnen und Kollegen, die Öko-Weinbau betreiben, habe man sich vieles abgeschaut, wie Begrünung und gezielte Zwischeneinsaat. Das Problem bei einer Öko-Zertifizierung sei jedoch die fehlende Flexibilität, bei einem Mehltaubefall reagieren zu können.

Bei der Probe ging es weiter mit dem 2022 Hochheim Riesling trocken VDP Ortswein, der alles hat, was ein Riesling haben muss und zu jeder Gelegenheit passt.

Catharina erläuterte die VDP Qualitätspyramide – Gutswein -Ortswein – Erste Lage – Große Lage (bzw. RGG für Rheingauer Großes Gewächs). Dazu passend kam die Hochheimer Domdechaney Riesling trocken VDP Erste Lage als kleine Vertikalprobe – 2022 gegen 2019 – in zwei Gläser. An diesem Wein konnte man gut erkennen, dass die höherwertigen Weine eine Zutat benötigen, die heute oft vergessen wird – die Zeit. Zu jung genossen, haben sie noch „Ecken und Kanten“, sind wie ein ungestümer Teenager, während sich mit ein wenig mehr Reife die ganze Komplexität auf der Zunge zeigt.

An dieser Stelle fügte sich ein von Hendrik Ruitenberg zusätzlich mitgebrachter 2015er vorzüglich in die Probe ein. Diesem Wein hatte man extra viel Zeit zugestanden und ihn 2020 erst in den Verkauf gegeben. Eine gute Idee, der Wein ist grandios und entwickelt sich von Verkostung zu Verkostung nach oben weiter.

Die nächsten beiden Weine im Glas waren das Kirchenstück Riesling trocken Großes Gewächs, 2021 gegen 2019 und auch hier zeigte sich, dass der ältere der beiden viel facettenreicher daherkam.

Nach einem 2022 Hochheimer Riesling Kabinett – ein fruchtsüßer Wein, der aber wegen seiner frischen Säure nicht zu süß auf der Zunge daherkommt, sondern einfach nur Spaß macht (und darum bettelt, zu asiatischen Gerichten auf den Tisch zu kommen), folgte die Hochheimer Domdechaney Riesling Auslese.

Ausgewählt hatte Ruitenberg den 2009er.

Für die Auslesen ist das Weingut bekannt und es ist ein Erlebnis, bei den Verkostungen im Frühjahr und im Herbst die Vertikalprobe durch die vorhandenen Jahrgänge zu machen und sich seine Lieblinge gleich mitzunehmen. Der 2009er ist seit Jahren auf dem persönlichen Siegertreppchen. Das Jahr war warm, aber offenbar ohne Kapriolen, der Wein ist ein Gesamtkunstwerk. Die gebührende Ehrfurcht beim Verkosten ging kurzfristig ein wenig verloren, als eine Familie von Gartenschläfern durch eifriges Hin- und Herlaufen auf der Bruchsteinmauer, Verschwinden in Löchern sowie Wiederauftauchen an anderer Stelle die Aufmerksamkeit der Probenteilnehmenden auf sich zog.

Hier währe die Probe theoretisch zu Ende gewesen. Als „add on“ außer der Reihe hatte Hendrik Ruitenberg jedoch die 1971er Hochheimer Hölle Riesling Auslese mitgebracht, für die ein zusätzlicher Obolus zu entrichten war, für diejenigen, die ihn gerne probieren mochten.

Catharina erläuterte das Vorgehen bei diesem Wein: Als man sich entschlossen hatte, diesen Wein 2021, dann 50jährig, in den Verkauf zu nehmen, hatte man alle vorhandenen Flaschen aus dem Keller geholt, vorsichtig die Korken entfernt (keine leichte Aufgabe), den Flaschenhals mit Alkohol gereinigt, alle verkostet (bei dieser Aufgabe hätten sich mehrere GenussSpechte sofort als Freiwillige angeboten), einen aussortiert, einen „geopfert“, um die anderen wieder aufzufüllen, neu verkorkt und mit neuem Etikett versehen. Es ist logisch, dass dieser Wein einen gewissen Preis hat. Durch diese Maßnahmen ist der Käufer jedoch sicher, einen Hochgenuss zu erwerben.

Nach dieser wahrlich grandiosen Degustation in einem wunderschönen Rahmen mit einer Winzerin, die sachlich brilliant, emotional ehrlich und offen, sprachlich unglaublich und mit Herzblut exzellente Weine präsentierte (O-Ton einer Teilnehmerin) beendeten die GenussSpechte die Probe mit Applaus.
Als Dankeschön für den wundervollen Abend überreichte Hendrik Ruitenberg ein Weingeschenk an Catharine Mauritz.

Die etwas andere MARKTWEINPROBE

Der in der Weinwelt bekannte Bremer Ratskellermeister Karl-Josef Krötz (66) hat sich im Januar 2023 nach 33 Jahren als Bremer Ratskellermeister in den Ruhestand verabschiedet.
Karl-Josef Krötz kommt für eine besondere Weinprobe nach Hochheim am Main.
Auf Einladung von Hendrik Ruitenberg, im Vorstand vom Hochheimer Weinclub – die GenussSpechte e.V., wird er Weine präsentieren, die aus dem Bestand des Ratskellers stammen. Es werden 11 Weine von verschiedenen deutschen Weinanbaugebieten verkostet. Anhand von Anekddoten, die in Verbindung stehen zu den Weinen, lässt er die Teilnehmer teilhaben an seiner langjährigen Tätigkeit als „Herr der Weine von der Weser“.

Das „köstliche Fundament des Rathauses“ – diesen Spitznamen trägt der Bremer Ratskeller nicht ohne Grund. Die Gewölbe unterhalb des Liebfrauenkirchhofs und des Domshofs beherbergen nicht nur eine der traditionsreichsten Gastronomien Bremens, sondern auch das weltweit größte Sortiment ausschließlich deutscher Weine. Als Teil des Bremer Rathauses zählt der Ratskeller zum UNESCO-Weltkulturerbe und beeindruckt mit seiner über 600 Jahre alten Geschichte.

Bildlegende (in der Reihenfolge) :
Reihe 1: Die Bremer Stadtmusikanten, Bremer Rathaus, Handelskammer
Reihe 2: Schild der Ratskellerverwaltung, Eingang zur Weinhandlung, Weine in der Weinhandlung
Reihe 3: Treppe zur Gastronomie „Bremer Ratskeller“, Senats- & Kaiserzimmer, Skulptur der Bremer Stadtmusikanten im Senatszimmer
Reihe 4: Schatzkammer (3 Bilder)
Reihe 5: Gang vor der Schatzkammer, 2 Fässer im Apostelkeller – diese enthalten Rheinweine aus dem 18. Jahrhundert.

An der Stirnseite des Rosenkellers befindet sich das „Rosefass“, in dem der berühmte Rüdesheimer Wein von 1653 lagert.

Details zum Bremer Ratskeller

Früher wurden ausschließlich Weine von Rhein und Mosel im Ratskeller gelagert – heute umfasst das Sortiment deutsche Weine aus allen 13 Anbaugebieten. Von je her wacht der Ratskellermeister über die Bestände. Ein großer Teil der wertvollen Weine – mit Ausnahmen der alten Rose- und Apostelweine – ging in den Nachkriegswirren verloren. Heute werden in der Schatzkammer des Ratskellers wieder herausragende Flaschenweine aller Jahrgänge archiviert. Insgesamt eine Sammlung von unschätzbarem Wert.
Der BREMER RATSKELLER ist auch ein Weinhandel. Das Sortiment erstreckt sich über sämtliche Weinarten, Geschmacksrichtungen sowie Preisklassen und umfasst ausschließlich Weine aus den 13 deutschen Anbaugebieten. Neben ausgesuchten Weingutsweinen führen man überwiegend exklusive Eigenabfüllungen, die man im engen Kontakt zu den Winzern für den BREMER RATSKELLER an- und ausbauen lässt. Durch diesen Fokus bleiben man der Tradition des Hauses, aber auch dem Regionalitätsgedanken treu. Auf den Flaschen bürgt das Bremer Senatswappen für verbriefte Qualität die durch strenge Selektion noch auf die Spitze getrieben wird: Wie seine Amtsvorgänger (zuletzt Karl-Josef Krötz) verkostet Ratskellermeister Frederik Janus jährlich rund 3.000 Weine, von denen er nur die überzeugendsten für unser Sortiment auswählt.

Weiterführende Links, ausserhalb dieser Webseite:

Ratskellermeister Karl-Josef Kroetz – Vita

ehem. Ratskellermeister Karl-Josef Kroetz – Abschied

Bremer Ratskeller – Geschichte

Bremer Ratskeller – Gastronomie

Bremer Ratskeller – Weinhandel

Gelungene Premiere für GenussSpechte

HOCHHEIM 19.5.2023 (hwg)

Vier Monate nach der Vereinsgründung traf sich der Weinclub die GenussSpechte am vergangenen Freitag in der Vinothek vom Weingut Mitter-Velten zu seiner ersten offiziellen Veranstaltung. Genuss, Gemeinschaft und Geselligkeit, so kann man den Abend zusammenfassen – wobei auch Gelerntes hinzukommt. Nach der Begrüßung der Gäste mit einem Hochheimer Rieslingsekt brut in traditioneller Flaschengärung hergestellt und dem Servieren der im Vorfeld bestellten Vesper- oder Käseteller, erfuhren die Anwesenden von Martin Mitter viel Interessantes über den Werdegang des Weinguts. Der Winzer kommt aus dem Weingut Mitter in Flörsheim, einem flächenmäßig eher kleinen Familienbetrieb. Seine Mutter hat dereinst beim Schloss Johannisberg gelernt. Auch Mitter absolvierte sein erstes Lehrjahr dort, die weiteren beim Rebenhof und beim Staatsweingut Bensheim. Als er dann beim Weingut Walter Velten in Hochheim einstieg, habe er von der Familie Velten so viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren, die Familien wuchsen gewissermaßen zusammen, so dass der Doppelname des Weinguts einfach bleiben musste.

Die Umstellung auf ökologischen Weinbau war nicht von Anfang an geplant, sondern eher das Produkt eines verzweifelten Versuchs, die Reben vor besonders hartnäckigem Mehltau zu retten – und es funktionierte. Sah die Begrünung früher eher aus wie ein englischer Golfrasen, hat nach und nach Artenvielfalt und lebendige Natur Einzug in die Wingerte gehalten und das Resultat überzeugt. Ecovin-zertifiziert und nachhaltig, die Nachfrage nach diesen Weinen ist spürbar.

Beim Ausschenken, Martin Mitter. (© Susanne Ruitenberg)

Außer dem Verkauf ab Hof hat es sich auch bewährt, im Lebensmitteleinzelhandel gefunden zu werden – so manch ein Kunde, der im Supermarkt eine Probeflasche gekauft hat, steht anschließend im Hof und fragt nach ganzen Kisten, während kaum jemand für eine Einzelflasche beim Winzer vorstellig wird.

Zwischen dem Erzählen schenkte Mitter die Weine aus und stellte sie vor. Manche paarweise, wie zum Beispiel den 2022er Weißburgunder gegen den Grauburgunder, oder zwei Rieslinge aus verschiedenen Lagen, andere wiederum, wie der Sauvignon Blanc, standen für sich allein. Die komplette Probenliste der Jahrgangsverkostung zum Nachlesen gibt es hier.

Nebenbei erfuhren die Genießerinnen und Genießer auch noch, dass die leckere Hausmacher Wurst von Mitter selbst hergestellt wird. Durch geschicktes Zusehen und Vorher-Nachher Auswiegen der bereitgestellten Gewürze konnte er die Originalrezepte des älteren Fleischers, der sie hergestellt hatte, nachvollziehen und somit vor dem Vergessen retten. Es mundete allen hervorragend.

Interessant ist bei diesem Weingut, dass 40 Prozent Spätburgunder im Anbau sind. Im Rheingau sind es sonst eher um die 20 Prozent, bei 80 Prozent Riesling. Bei Mitter-Velten ist jedoch besonders der Spätburgunder Weißherbst das Markenzeichen und der Verkaufsschlager. Ein leuchtend lachsfarbener, wunderbar frischer, fruchtiger Vertreter seiner Gattung.

Als kleinen Bonus gab es zum Abschluss nicht den ursprünglich geplanten Rotwein als Solovorstellung, sondern zum Vergleich die Barrique-ausgebaute Version. Die GenussSpechte dankten Martin Mitter für den schönen Abend, die hervorragenden Weine und die gesellige Atmosphäre.

Vertikalweinprobe aus 20 Jahren

Probenabend – GenussSpechte genießen Teuflisch Guten Wein aus dem Weingut Sabrina Schmikl

Vor Kurzem fand die zweite Weinprobe des neu gegründeten Vereins Hochheimer Weinclub die GenussSpechte statt. Schon bei der Gründungsversammlung hatte Winzerin und Vereinsmitglied Sabrina Schmikl das Thema „20 Jahre Weingut Sabrina Schmikl“ vorgeschlagen und die Idee kam gut an. Eigentlich sollte das Ganze im Freien stattfinden, logistische Probleme ließen das nicht zu, so waren die 30 teilnehmenden Mitglieder und Gäste ins Weinbaumuseum geladen. Nach der Begrüßung durch Hendrik Ruitenberg stellte Sabrina sich und ihr Weingut vor.

Eher durch Zufall und bedingt durch eine sich bietende günstige Gelegenheit übernahm sie 2003, mit gerade einmal 20 Jahren, ein paar Parzellen. Diese lagen in Erster Gewächslage und kamen von einem Hochheimer Weinbaubetrieb, der aufgegeben hatte. Sabrina kaufte sich die nötigen Gerätschaften hier und da gebraucht zusammen, mietete einen Keller an und legte los. Zunächst baute sie die Weine nur in Holzfässern aus, erst nach und nach kamen Edelstahlfässer hinzu, finanziert durch Ausschank der Weine auf Weinfesten, auf dem Hochheimer Markt und am Weinprobierstand, immer mit der Unterstützung von Freundinnen und Freunden und der Familie.

Ihre Ausbildung absolvierte sie in den Hessischen Staatsweingütern in der Domäne Rauenthal und sie führt ihr Kleinst-Weingut bis heute im Nebenerwerb. Nach anfänglichen Erfolgen gab es mit dem Jahrgang 2006 einen Rückschlag durch Fehltöne. Seitdem geht es jedoch wieder von Jahr zu Jahr bergauf. Neue Gerätschaften, Traubenzukauf, Unterstützung durch Papa Klaus Schmikl, durch befreundete Winzer und sehr viel Kreativität sorgen für den teuflisch guten Wein, der sich auch im Logo des Weinguts (mit Hörnern, wie es sich gehört) wiederfindet. Die Philosophie ist dabei, so wenig wie möglich und so viel wie nötig im Weinbau und im Keller einzugreifen. Das Resultat sind ehrliche, gradlinige Weine aus naturnahem, schonendem Ausbau.

Für die Probe hatten die Winzerin und Hendrik Ruitenberg zusammen 26 Weine ausgesucht – von 2001 bis 2022. Ein Großteil davon wurde, wie bei Proben üblich, am Platz ausgeschenkt. Manche Flaschen gab es indes nur noch als Einzelexemplare, diese präsentierten sich im Nebenraum in Weinkühlern zur Selbstbedienung. Es gab neben den offiziellen Schmikl-Etiketten auch mit Edding handbeschriftete Flaschen und handgeschriebene Etikette, denn ein Teil der Weine waren die Rückstellproben. Ist der Wein ausverkauft, darf man diese verbrauchen. Wie schön für die Teilnehmenden, dass so viele Weine ausverkauft waren!

Auch die älteren Weine präsentierten sich alle als sehr gut trinkbar, mit schönen Reifetönen und Duftnoten von Rosinen, Dörrobst, reifen Früchten. Da Sabrina die Analysenwerte parat hatte, konnten die Probenteilnehmer selbst erschmecken: Weine, die mit einer etwas höheren Säure in die Flasche gekommen waren, präsentierten sich frischer als manche aus den heißeren Jahren und mit niedrigem Säurewert.

Sabrina Schmikl im Weinbaumuseum beim Themenabend mit den GenussSpechten (Foto: Jutta Hühn)

Es gab keine Ausfälle oder Korkschmecker, auch nicht bei den älteren Weinen, was die Qualität des Handwerks aufzeigt. Die Bandbreite reichte von Riesling Kabinetts und Spätlesen aus den verschiedenen Hochheimer Lagen, Spätburgunder Weißherbst, Weißburgunder, Dornfelder Rosé und Rot, und ein paar kreative Cuvées, wie zum Beispiel Chardonnay mit Weißburgunder oder auch Weißburgunder, Grauburgunder, Silvaner. Interessant war auch der Rotling, ein Wein, bei dem rote und weiße Trauben zusammen gekeltert werden, als Cuvée von 2021 und 2022 mit kreativem Etikett.

Zur Probe gab es darüber hinaus Spundekäs‘ vom Weingut Preis und jede Menge Bretzelchen.

Alles in allem war es eine sehr gelungene Probe, wann hat man die Gelegenheit, die Entwicklung eines Weinguts über 20 Jahre so gut nachvollziehen zu können. Die komplette Probenliste der Jahrgangsverkostung zum Nachlesen gibt es hier.

Zukunftsweine und Picknick

GenussSpechte on Tour beim Weingut Eva Vollmer (HWG)

Weinproben als Saalveranstaltung sind schön, aber noch interessanter ist es, die Winzerinnen und Winzer an ihrer Wirkungsstätte zu besuchen. Zu diesem Zweck machte sich eine Gruppe von GenussSpechten und Gästen am vergangenen Samstag auf den weiten Weg nach: Mainz Ebersheim.

Gefühlt eine Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und drei Umstiegen, die, allen Befürchtungen der ÖPNV-Geplagten zum Trotz, reibungslos funktionierte.

Zukunftsweine lautete das Thema, das Weingut Eva Vollmer das Ziel der Reise.

Die Winzerin empfing die Teilnehmenden auf der Terrasse und nach einer kurzen Vorstellung gab es den ersten Wein, einen Rotling namens „Botenstoff“ aus den Rebsorten Cabertin und Souvignier Gris. Ein Rotling hat die Besonderheit, aus weißen und roten Trauben zu bestehen, die zusammen gekeltert werden. Und wem diese Rebsorten unbekannt vorkommen: es handelt sich um Neuzüchtungen, pilzwiderstandsfähige Sorten, so genannte PiWis.

Womit man beim Thema Zukunftsweine angelangt wäre.

Es ist nicht zu leugnen, der Klimawandel und das immer unberechenbarer werdende Wetter macht den Winzerinnen und Winzern zu schaffen. Starkregenereignisse wechseln sich mit Phasen extremer Trockenheit ab. Feuchtwarme Tage begünstigen Schädlinge wie echten und falschen Mehltau. Mit neuen Züchtungen gelingt es, Resistenzen aus Wildreben und den vollen Geschmack der Kulturreben zu kombinieren. Das bedeutet konkret, das bis zu 80% weniger Pflanzenschutzmittel benötigt werden und CO2 eingespart wird.

So weit so gut. Ein Problem hierbei ist jedoch, dass diese Rebsorten bei vielen Verbrauchern noch unbekannt sind und so, besonders im Laden und ohne Beratung der Winzerschaft, eher zu den vertrauten Rebsorten gegriffen wird.

Die Bewegung „Zukunftsweine“, die Eva Vollmer mitgegründet hat, möchte dies ändern und die Weine bekannter machen. Dazu gehören ein einheitliches Logo und gemeinsame Veranstaltungen.

Nach dem Rotling ging es weiter mit einem Souvignier Gris und in die Kelterhalle zu den beiden Tonneau-Fässern, in denen der Souvignier Gris Tx reift, der als nächstes, begleitet von einem Spundekäs‘ mit ofenwarmer Brezel, zur Verkostung kam. Dieser Wein ist kraftvoll und ausdrucksstark, und gut als Essensbegleiter geeignet.

Dem schloss sich der „Wendehammer“ an, ein Cuvée aus den 3 PiWis Cabernet Blanc, Hibernal und Sauvignac, ein herrlich fruchtiger, animierender Wein.

Als Verdauungsspaziergang begab sich die Gruppe anschließend in einen Versuchswein“berg“ direkt vor dem Haus zur Verkostung einer sehr trockenen Scheurebe, einer traditionellen Rebsorte. Mit diesem Wein ist Eva Vollmar seinerzeit schlagartig bekannt geworden, hatte man die „Scheu“ früher doch eher in ihrer süßen Variante gekannt.

Als letztes stieg man in den Fasskeller hinab zu einem Riesling Tonmergel feinherb, altbekannte Rebsorte, und zum Abschluss den Zukunftswein „Rebritter“, ein Cuvée aus den roten Sorten Cabertin und Pinotin.
Die komplette Liste der probierten Weine gibt es hier.

Damit war der offizielle Teil der Weinprobe zu Ende und die Teilnehmenden dankten mit einem Applaus, so weit das mit einem Glas in der Hand möglich ist. Hendrik Ruitenberg, Vorstand der GenussSpechte, überreichte ein Mitbringsel zum Genießen, einen Souvignier Gris aus einer anderen Weinregion Deutschlands sowie einen Wein aus den Niederlanden.

Inzwischen war die öffentliche Veranstaltung „Picknick mit Zukunftsweinen“ in vollem Gang. Im Garten, in der Vinothek und im Hof konnte man, neben den hauseigenen, weitere Weine anderer Mitglieder der Bewegung sowie leckeres Essen genießen. Davon machten die Ausflügler reichlich Gebrauch und auch das Wetter spielte mit, es gab nur einen winzigen Schluck Regentropfen zwischendurch.

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Hochheimer Weinclub – die GenussSpechte e.V.

Verantwortlich für den Inhalt der Webseite :Vorstand des Hochheimer Weinclub – die GenussSpechte e.V.
Adresse :Breslauer Ring 15c, 65239 Hochheim am Main
Telefon :06146 / 904 882
Email :email@GenussSpechte.de
Vorstand :
Ingo & Jutta Hühn
Hendrik & Susanne Ruitenberg
Zuständig :Amtsgericht Wiesbaden, VR 7510
Gestaltung und Ausführung der Webseite :Hendrik Ruitenberg
Bankverbindung :Taunus-Sparkasse Hochheim
IBAN :DE 23 5125 0000 0003 2334 13
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