Weine aus 26 Jahren – Raritätenprobe von und mit Weingut Baison

Die Jahreshauptversammlung haben wir gerade vor einer Woche erfolgreich über die Bühne gebracht, da läuten wir sofort das neue Weinjahr ein.

Fast vor einem Jahr, im März 2025, durften wir eine besonders gelungene Weinprobe im Weingut Baison erleben. Es gab einen leckeren Vesperteller, tolle Weine, viel Gute Laune, und eine Kellerführung. Der verwinkelte Keller war spannend und viel größer, als man von außen denken würde. Besonderes Highlight: wir durften aus dem Regal ein paar gereifte Flaschen aussuchen, die anschließend mit dem Korkenzieher Bekanntschaft machten und gleich genossen wurden.

Nadja und Heinrich hatten großen Spaß mit unserer Glocke, wenn wir zu laut wurden – ziemlich oft im Probenverlauf. Am Ende sangen wir laut und fröhlich alle zusammen das Hochheimer Lied.

Heinrich sprach uns dann ein paar Wochen später an mit einer Idee für eine neue Weinprobe (wir können also nicht einen allzu schlechten Eindruck hinterlassen haben J):

Eine „Rückstellproben-Probe“ – so lautete der Arbeitstitel.

Rückstellproben sind die zwei Flaschen Wein, die zwei Jahre lang aufbewahrt werden müssen, sobald ein Wein eine AP-Nummer hat und in den Verkauf geht. Es ergibt von selbst, dass sich im Lauf der Zeit einiges ansammelt. Die kann der Winzer dann irgendwann im stillen Kämmerlein austrinken. Oder aber mit weininteressierten Personen teilen. Zum Glück für uns, wählten Nadja und Heinrich diese zweite Option.

Am Samstag, dem 28. Februar kamen wir im Weinbaumuseum zusammen. Brot, Wasser, Spundekäs und Brezelchen standen bereit, wir waren gespannt, und da es keine Liste gab, konnte man auch nicht „lubschen“, was zu verkosten käme.

Heinrich und Nadja hatten wahre Schätze ausgegraben.

Neben den schon angesprochenen Rückstellproben gab es diverse Weine und Sekte älterer Jahrgänge, auch ein Ruitnberg’scher Kellerfund gesellte sich hinzu. Manche Flaschen hatten ein einfaches Etikett, nur mit den Angaben, dazu noch das Originalsiegel nach der Vergabe der AP-Nummer, andere trugen das gewohnte Logo.

Nadja und Heinrich hatten umfangreiche Notizen mitgebracht über jeden Weinjahrgang, die klimatischen Besonderheiten, die Lesezeitpunkte, die halfen, die Probe einzuordnen und sich an das betreffende Jahr zu erinnern. Die Werte, die von nerdigeren unter uns so gerne mitgeschrieben werden, lagen nicht mehr vor. Aber die Zucker- und Säurewerte verändern sich ohnehin bei Reifung und sind dann weniger interessant.

Das Ausschenken besorgte Nadja und Hendrik abwechselnd, mit unseren Dosierern, außer beim Sekt.

Die genaue Probenfolge war (Anmerkung: Die Verkostungsnotizen sind von Susanne und daher subjektiv):

1. 2001 Hochheimer Herrnberg Sekt Riesling Brut
Ein sehr guter Jahrgang für Spät- und Auslesen. Der Sekt hatte eine pink-orange Farbe, und noch Druck genug, dass der Korken herausploppte. Auch eine dezente Perlage war noch vorhanden, dazu reife, aber ansprechende Geschmacksnoten.

2. 2012 Rheingau Riesling Brut – 12,5% Vol.
Ein normales Weinjahr ohne besondere Wettervorkommnisse (außer einem sehr kalten Februar). Der Sekt ist erstaunlich frisch für 14 Jahre, hat eine angenehme Perlage.

3. 2009 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken – 13,5% Vol.
Ein Top Jahrgang (2009 war auch in Bordeaux ein Top Jahrgang, wahrscheinlich sogar weltweit). Der Wein hat damals eine Goldene Preismünze erhalten. Man schmeckt die typische Höllenaromatik und viele reife gelbe Früchte.

4. 2012 Hochheimer Herrnberg Riesling Spätlese Alte Rebe trocken
Alte Rebe bedeutet, dass die Ertragsreduktion von alleine stattfindet. Diese Weine sind, wenn sie jung sind, immer etwas unzugänglich. Aber wenn man die Muße hat, zu warten, werden sie komplex und interessant.

5. 2012 Baison Junior Riesling Spätlese trocken – 12,5% Vol
Handlese aus Hölle und Kirchenstück, 12,5 %. Dieser Wein firmiert jetzt als „Handlese“. Junior ist nicht mehr Junior, sondern selber Chef J. Auch diesem Wein kommt die Wartezeit gelegen, er reift sehr gut. Vol.

6. 2015 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken, Alte Reben, gereift im großen Holzfass – 14,5%
Ein „Wow“ Wein. 2015 war ein bombastisches Weinjahr mit gesunden, vollreifen Trauben. Jede und jeder von uns hat noch Erinnerungen an tolle Weine aus diesem Jahr.

7. 2016 Flörsheimer Herrnberg Riesling Kabinett trocken
Das war damals die Ecovin-Phase, die aber wieder aufgegeben wurde. Wenn man konventionell arbeitet, kann man im Notfall besser eingreifen, sagt Heinrich. Es wird so wenig wie möglich gespritzt und keine Herbizide, nur Pflanzenschutz. Ein Kabinett ist nicht unbedingt ein Wein, den man lange aufhebt. Dieser hier ist gut gealtert und lässt sich sehr gut genießen.

8. 1990 Hochheimer Hölle Riesling Auslese – 12% Vol.
Der Oldie des Abends, stolze 36 Jahre alt. Preismünzengeehrt. Reif, dicht, bernsteinfarben, ausgeprägte Kirchenfenster im Glas. Hendrik hat leider den Fehler gemacht, den Siegellack zu entfernen. Dadurch ist der Korken erst einmal in die Flasche abgetaucht, weil ihn nichts mehr gehalten hat. Der Wein wurde gesiebt und aus der Karaffe ausgeschenkt. Wahrscheinlich hätte man den Korken durch den Siegellack ziehen müssen.

9. 1999 Hochheimer Stein Gewürztraminer Spätlese – 12,5% Vol.
Der Wein ist genießbar, aber die Typizität von Gewürztraminer hat er komplett verloren. Weder der Rosenduft noch die typische Aromatik sind vorhanden. Es ist dennoch spannend zu schmecken, wie diese Typizität einfach so abtauchen kann.

10. 1997 Hochheimer Reichestal Spätlese
Ziemlich ramponiertes, kaum noch lesbares Etikett – aber der Wein ist klasse. Reichestal ist immer sehr extraktreich, diese Weine altern auch gut. Finde ich.

11. 2007 Baison Spätburgunder trocken – 13,5% Vol.
Der „Einstiegsrotwein“. Viel Depot, danach mussten wir erst einmal die Gläser spülen. Eine interessante Note von Pfeffer und Chili, den er in jungen Jahren nicht hatte. Jetzt ein Steak vom Holzkohlegrill dazu … dieser Wein gehört jedes Jahr neu in den Keller gelegt, man kann ihn immer trinken.

12. 2007 Hochheimer Hölle Spätburgunder Spätlese trocken – 14,5% Vol.
14,5%, bombastischer Rotwein, mit der Zutat Zeit, die Weine oft nicht bekommen, weil man zu ungeduldig ist. Hier zeigt er seine ganze Fülle und Dichte. Frucht und Holznote, alles in feiner Balance.

13. 2015 Hochheimer Reichestal Spätburgunder Auslese trocken – 15% Vol.
TOP TOP TOP in Großbuchstaben, das habe ich in mein Büchlein gekritzelt.
Diesen Wein haben wir dekantiert, dann aber für den Dosierer zurück in die Flasche gefüllt, der brauchte die Luft.

Der Wein war mit einer perfekten phenolischen Reife gelesen und ein absolutes Highlight. Wir erinnern uns, 2015 war dieses ganz besondere Weinjahr. Wenn man ihn in der Bourgogne verdeckt in eine vergleichende Weinprobe schummeln würde, müssten sich die Franzosen warm anziehen … ja, deutsche Rotweine, das ist nicht mehr wie früher.

Hier die gekürzte Fassung, die in der Hochheimer Zeitung abgedruckt war.