GenussSpechte beim Weingut der Stadt Frankfurt
Fabian Schmidt hatte es noch während der Bieterphase angedeutet. Er freue sich, sobald es möglich ist, den GenussSpechten das Weingut der Stadt Frankfurt zu präsentieren. Seit feststand, dass Fabian Schmidt den Zuschlag für die Pacht des Weinguts der Stadt Frankfurt bekommen hatte, war den GenussSpechten klar: Da müssen wir gemeinsam hin. 34 Personen, 8 davon Gäste, fanden sich am Montag, dem 8. Juni pünktlich im Gutsausschank in der Aichgasse ein. Kaum saßen alle, begann es zu tröpfeln. Gutes Timing.
Kurzerhand verlegte man die Begrüßung mit Prinkelndem in pink nach Innen in die wunderschön renovierte Gaststube.
Nach langem Dornröschenschlaf ist diese tolle Location mit atemberaubenden Blick über die Weinberge seit zwei Monaten wieder offen und egal, ob man schöne Erinnerungen an frühere Familienfeiern hat oder den Betrieb neu entdeckt – alle sind begeistert.
Der Reihe nach: Nach der Begrüßung fasste Fabian die Geschichte des Weinguts zusammen.
Durch die Säkularisierung im 19. Jahrhundert ging der Besitz vom Karmeliterkloster an die Stadt Frankfurt über. Diese betrieb es mit wenig Erfolg und so suchte man einen Pächter.
Nachdem der Pachtvertrag nun nach 30 Jahren ausgelaufen war, musste die Pacht aus kartellrechtlichen Gründen neu ausgeschrieben werden. 11 verschiedene Bieter reichten ihre Konzepte ein. Nach einer Befragung in Frankfurt durch ein Gremium und einer Überarbeitung blieben 3 Bieter übrig. Der vormalige Pächter, eine Bietergemeinschaft und Fabian. Am 18. Dezember 2025 wurde der Vertrag unterschrieben.
Sein Konzept sah vor, nicht nur den Fokus auf Frankfurt und den Verkauf dort zu legen, sondern auch auf Hochheimer Publikum und den Gutsausschank wieder zu beleben. Durch die gute Vernetzung des Weinguts im Weinegg mit den Winzerkolleginnen und -kollegen, den Vereinen, der Politik ist das realistisch. Wie gut die Angebote angenommen werden, zeigt, dass man auf dem richtigen Weg ist.
Außer der Betriebsstätte in Hochheim und dem Gutshaus, das renovierungsbedürftig ist, gibt es in Frankfurt die Vinothek und einen großen Gewölbekeller. Dieser diente nur als Lager und soll in Zukunft für die Sektherstellung und Produktveredelung mit Führungen für Publikum genutzt werden.
(Schon jetzt kann man übrigens im Rahmen einer Führung durch die neue Altstadt um den Römer eine Weinprobe in der Vinothek in Frankfurt genießen, einige GenussSpechte haben das vor Kurzem ausprobiert und für empfehlenswert befunden.)
Von den Rebflächen in Hochheim sind 6 Hektar gerodet und werden neu angelegt, vorwiegend mit pilzwiderstandsfähigen Sorten. Die verbleibenden werden von Minimalschnitt wieder zu normaler Reberziehung geführt. Darüber hinaus gibt es in Seckbach, im Nordosten von Frankfurt, den historischen Lohrberg mit 1,5 Hektar – eine Terrassenanlage, die nur in Handarbeit bearbeitet werden kann.
Nach dieser ausführlichen Einleitung führte Fabian die neugierigen GenussSpechte in den Keller. Am Eingang schenkte er die nächste Probe aus, ein 2013 Spätburgunder aus der Magnumflasche vom Weingut im Weinegg, ein leichter Rotwein, für den Sommer geeignet, beim Grillen beispielsweise.
Der weit verzweigte Keller wirkt riesig, da er noch fast leer ist. In einem der Räume kann man Betontanks bewundern und Fabian schilderte, dass er zunächst gedacht hatte, oh nein, denn Beton ist nicht seine erste Wahl – diese jedoch sind von innen vollständig mit Edelstahl ausgekleidet. Diese Arbeit würde sich heute sicher niemand mehr machen. Dadurch sind sie wie Edelstahltanks nutzbar und aufgrund ihrer Größe sehr geeignet für Cuvées.
Der Keller ist gut ausgestattet, mit Kohlendioxid-Messung zur Sicherheit, mit Leitungen in der Wand, so dass man keine Schläuche verwenden muss für den Wein- oder Mosttransport von A nach B, er ist gleichmäßig kühl und die Bodenneigung führt passgenau zur Abflussrinne.
Im feuchtesten Kellerraum sollen in Zukunft die Holzfässer Platz finden, so dass weniger Verdunstungsverlust eintritt (schade für die Engel, die dadurch weniger Angel’s Share bekommen – ach nein, das sagt man eher bei der Whiskeyherstellung)
Die Traubenannahme für beide Weingüter, Weinegg und Stadt Frankfurt, soll hier in der Aichgasse etabliert werden, mit zwei Weinpressen nebeneinander.
Der Rundgang endete vor dem historischen Holzfass mit Schnitzerei und dem einzigen Wein, den der vormalige Pächter nicht mitgenommen hat: einen 2025er Spätburgunder, den die Teilnehmenden als Fassprobe genießen durften. Weich, samtig, fruchtig, jetzt schon gut zu genießen, man darf gespannt sein.
Mit dem Glas in der Hand ging es wieder in den Gutsausschank, wo Fabians Vater inzwischen ein Vesperbuffet aufgebaut hatte. Der nächste Wein, der Römerschoppen, ein sommerliches Cuvée aus Riesling und Sauvignon blanc in der Literflasche, trug schon das neue Etikett: Adler (auf der Brust, nein, der Flasche J), klar, hell, modern. Die Weine sind momentan noch aus den Beständen des Weinegg, weil außer dem Spätburgunder im Schmuckfass nichts geblieben ist von der 2025er Lese. Auf dem Rückenetikett steht daher Vertrieb: Weinhaus Stadt Frankfurt und eine Abfüllernummer.
Weiter ging es auch mit Geschichtlichem: Frankfurt hatte früher viel Weinbau, bis die Reblaus kam. Nur der Lohrberg blieb übrig. Die Streuobstwiesen, der Äppler, das kam alles erst danach. Zudem gab es früher ein „Hochheimer Frankfurter Weinfest“ und es gibt ein Wandmosaik mit der Hochheimer Kirche in Frankfurt.
Als nächstes probierten die Teilnehmenden einen 2011 Hochheimer Hofmeister Riesling Alte Reben aus der Magnumflasche vom Weinegg. Ein perfekt gereifter Wein, cremig, ausdrucksstark, bevor es wieder ganz jung wurde mit einem Weißburgunder und einem Chardonnay von 2025.
Den krönenden Abschluss in edelsüß bildete eine Riesling Spätlese von 2017.
Auf die Frage, ob die Weinprobe gefallen habe, gab es donnernden Applaus und einen Brut de Zeelande vom Weingut De Kleine Schorre aus den Niederlanden(Flaschengärung).
Auf dem Heimweg konnte man noch ein Feuerwerk am Horizont beobachten. Das passte zu diesem rundum gelungenen Abend.