Tagesausflug nach Würzburg und Umgebung

Stadtführung und Korkenziehertour

Irgendwann in einer Vorstandssitzung erzählte uns Jutta von der Korkenziehertour in Würzburg. Eine Tour mit kleinen Bussen von Winzer zu Winzer mit Weinproben. Das hörte sich interessant an und wir gaben ihr grünes Licht für die Planung.

Da Würzburg nicht weit ist, manche aber vielleicht die Gelegenheit nutzen wollen, den Aufenthalt zu verlängern, war uns schnell klar, die Anreise gestalten die Teilnehmenden selbst und man trifft sich um 11 Uhr mit der Stadtführerin an einem zuvor festgelegten Treffpunkt (am Frankoniabrunnen vor der Residenz).

Wir waren auch fast pünktlich – was ist schon eine Verspätung von 30 Minuten bei der Deutschen Bahn. Gut, die von uns gebuchten Platztickets waren für die Katz – der Zug wurde sehr kurzfristig durch einen anderen ersetzt und die Waggonnummern stimmten nicht überein. Da wir allerdings als erste dort einstiegen, während eine Menge Fahrgäste von einem anderen Zug wechseln mussten, konnten wir uns gemütlich ausbreiten.

Zum Glück hatten wir sehr großzügige Puffer vorgesehen, man ist ja gebranntes Kind, wenn man öfters mit der Bahn fährt. Die S-Bahn hatten wir so früh gewählt, dass noch ein Frühstück am Frankfurter Hauptbahnhof drin war und in Würzburg stießen wir nur unwesentlich nach 11 zu den anderen, die bereits vor Ort waren. Unsere Stadtführerin Ina Volmer (mit einem l) begrüßte uns und gab uns als Einführung einen Schnellüberblick über die Geschichte von Würzburg.

Würzburg ist eine sehr alte Stadt, schon im Jahr 704 wurde sie das erste Mal erwähnt.

Durch Friedrich I Barbarossa wurde der amtierende Bischof Herold mit der Herzogswürde bedacht, so dass er die kirchliche und weltliche Macht innehatte und als Fürstbischof regierte.

Weil das Stadtvolk immer wieder aufmüpfig war, bauten sich die Fürstbischöfe die Festung Marienberg 100 m oberhalb des Mains. Während der Bauernaufstände wurde die Festung lange belagert.

Im 18. Jahrhundert erbauten die Fürstbischöfe die Würzburger Residenz, die ihnen als Sitz diente bis zur Säkularisation.

Bekannt ist Würzburg vor allem für das Bürgerspital und das Juliusspital. Letzteres wurde 1579 durch den Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gestiftet, als Armen- Kranken- und Seniorenhaus, das sich durch Weinwirtschaft und Forstwirtschaft finanziert. Beide sind heute sehr renommierte Weingüter.

In einem zweistündigen Rundgang führte uns Frau Volmer u.a. in die Marienkapelle und in den Gedenkraum Grafeneckart im Rathaus der Stadt, in dem man ein Modell der Stadt nach der fast vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg sehen kann.

Über die Alte Mainbrücke ging es zum Schluss zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Team der Korkenziehertour – nicht jedoch, ohne mit Hochheimer Blumen für die spannende und kurzweilige Stadtführung zu danken.

Nach zwei Wegfindungsproblemen und einer kleinen P-Pause fanden wir uns beim ersten Weintreffpunkt ein:

Weingut Leo Sauer, an einem schönen Aussichtspunkt mitten in den Weinbergen, in der Lage Eibelstadter Kappellenberg.

Elke Röder empfing uns. Das Weingut wurde von ihrem Großvater Alfred Sauer als Mischbetrieb gegründet. Ihre Eltern schafften die Tiere ab und konzentrierten sich ganz auf den Weinbau. Weil ihr Vater viel zu früh und zu jung verstarb, übernahm Elke mit gerade einmal 20 Jahren den Betrieb. Ihr Mann Werner kam hinzu und Sohn David steigt auch mit ein.

Wir probierten:

1. 2025er Silvaner Spätlese trocken, gewachsen auf Muschelkalk, ausdrucksstark, tolle Mineralik und Frucht.

2. 2025er Scheurebe feinherb, typische Scheu-Aromenvielfalt im Glas

3. 2025er Regent Rosé, kräftige Farbe, kräftiges Aroma, passt herrlich zu der Sommerhitze.

Die Hitze trug dazu bei, dass wir den bereitgestellten Wasserkasten vernichteten. Alle drei Weine waren in den für Frenken typischen Bocksbeutel abgefüllt.

Elke erzählte uns, dass in den 90ern zwei Winzer auf einer Reise nach Alzey Gefallen an der Scheurebe gefunden hatten und sie nach Würzburg importierten, anfangs im Versuchtsanbau, bis sie zugelassen wurde. Sehr gute Idee, das.

Wir verabschiedeten uns mit Hochheimer Blumen und einem Dank und stiegen wieder in die kleinen Busse

Weiter ging es zum zweiten Weingut, dem Winzerhof Lang.

Wir wurden ganz herzlich empfangen von Heike und Johannes Lang. Johannes ist Softwareprogrammierer und „nur“ im Nebenerwerb Winzer, aber was für einer! Auf 3,5 ha baut er mit so viel Begeisterung und Herzblut Wein an. Eigentlich müsste er den Brotberuf an den Nagel hängen, auf 8 ha aufstocken …

Jedenfalls, ohne die Hilfe von Eltern und Schwiegereltern würde es nicht funktionieren. Zumal die Kinder noch ein wenig zu klein sind, um versklavt eingespannt zu werden. J

Als erstes, noch im Hof, probierten wir einen 2025er Silvaner alte Reben (1978), gewachsen auf Muschelkalk, spontan vergoren, 0,2 g Restzucker, ab Januar auf der Feinhefe, aber ohne Batonnage, um keinen Sauerstoffeintrag zu haben.

Ein ausdrucksstarker Wein voller Charakter (wie man bei einem Design-Wein nicht bekommt … meine persönliche Meinung)

Anschließend ging es in die Probierstube und zu liebevoll dekorierten, vielseitigen und reichhaltigen Vesperplatten mit den herrlichsten Brotsorten aus der Brotmanufaktur in Würzburg, die wir bei der Stadtführung gesehen hatten.

Wein Nr. 2 begleitete das Essen, ein Weißburgunder, ebenfalls spontan vergoren, lange auf der Feinhefe, genau so ein Geschmackserlebnis wie der erste.

Währenddessen erzählte uns Johannes, dass die Weine vorwiegend an Privatkunden gehen, sowie an diverse Gastronomen, da eine Schulkameradin in die Gastronomie gegangen ist und bei jedem Wechsel des Arbeitgebers ihre Weinquellen mitnimmt. Statt Bocksbeutel verwendet er nur Schlegelflaschen, die leichter zu handhaben sind.

Wein Nr. 3 schließlich war ein Johanniter, der erste PIWI des Tages. PIWIS sind praktisch, weil man viel weniger spritzen muss, und inzwischen schmecken sie auch. Wahrscheinlich wird der momentan noch vorhandene Bacchus auch eines Tages durch einen PIWI ersetzt.

Nach einem tosenden Applaus für die Weine, das tolle Essen, die sympathische Präsentation dankten wir natürlich auch hier mit Hochheimer Blumen.

Das nächste Weingut, das wir besuchten, war Weingut Arnold in Randersacker

Dieses VDP-Weingut bewirtschaftet 10 ha. in der11. Generation.

Wir probierten:

1. 2025er Blauer Silvaner mit einem leichten Pinkton. Blauer Silvaner hat dunkle Trauben, und wenn man ein wenig längere Maischestandzeit wählt, bekommt man Farbe ins Glas. Wenn man ihn schnell presst, ist er farblos wie „normaler“ Silvaner, bei längerer Maischestandzeit verändert er auch seine Aromatik.

2. 2025er Scheurebe trocken. Die Scheurebe ist nun 110 Jahre alt und wurde als Alternative zu dem damals nicht immer reif werdenden und oft sauer bleibenden Riesling von Georg Scheu gezüchtet. Die Eltern sind Riesling x Bukettrebe.

Er kann in die Richtung Sauvignon Blanc gehen von der Aromatik, wenn man ihn eher früh liest, oder sehr oppulente Südfrüchtenoten entwickeln.

Spontane Zwischenrufe veranlassten den Winzer, uns auch die feinherbe Scheu zusätzlich zu präsentieren. Beide fanden ihre Liebhaber und die echten Scheu-Junkies liebten beide sehr.

Als 4. Wein wählte er den Würzer spontan aus, weil zwei aus dem Publikum beim Studieren der Weinpreisliste die Rebsorte erfreut kommentierten. So bekamen wir den selten angebauten Würzer präsentiert. Der Würzer ist ebenfalls eine Züchtung von Scheu aus Gewürztraminer x Müller-Thurgau. Der Vorteil des Würzer ist, dass er die Aromatik von Gewürztraminer mitbringt, aber nicht diese oft zu starke Opulenz der Rebsorte, die oft schon nach einem Glas so sättigt, dass man nicht weitertrinkt. Beim Würzer könnte man noch ewig weitermachen …

Auch hier verabschiedeten wir uns mit Hochheimer Blumen.

Nachdem wir uns auch bei der Fahrerin und den beiden Fahrern entsprechend erkenntlich gezeigt hatten, ging es zurück zum Bahnhof für diejenigen, die nicht in Würzburg blieben. Wider Erwarten war der Zug auf die Minute pünktlich in Frankfurt (!), so dass wir die letzte S-Bahn erwischten, die bis Hochheim durchfuhr (!!) und so NICHT in den fragwürdigen Genuss des Schienenersatzverkehrs kamen (!!!).

Einige Hartgesottene trafen sich anschließend noch am Weinprobierstand zum „na te praten“ (niederländisch für Nach einem Treffen, nach einer Verabredung oder einem Essen noch gemütlich zusammenstehen und über das Erlebte reden.). Eure Chronistin war platt und zog es vor, mit dem Kater (dem Billi-Bob, einem rotblonden Burmesen, nicht vom Weintrinken) auf dem Sofa zu chillen.